Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
407
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III. Von der Cmthcilung der Fabeln. 407

einer epischen Fabel ausgedehnet, höret auf eine acsopische Fabelzu seyn; aber nicht deswegen, weil man den Thieren, nachdemman ihnen Freyheit und Sprache ertheilt hat, nicht auch eineFolge von Gedanken, dergleichen die Folge von Handlungen inder Epopec erfordern würde, ertheilen dürfte; nicht deswegen,weil die Thiere alsdcnn zn viel menschliches haben würden:sondern deswegen, weil die Einheit des moralischen Lehrsatzesvcrlohrcn gehen würde; weil man diesen Lehrsatz in der Fabel,deren Theile so gewaltsam aus einander gcdchnct und mit frem-den Theilen vermischt worden, nicht länger anschauend erkennenwürde. Denn die anschauende Erkenntniß erfordert unumgäng-lich, daß wir den einzeln Fall auf einmal übersehen können;können wir es nicht, weil er entweder allzuviel Theile hat, oderseine Theile allzuweit aus einander liegen, so kann auch dieIntuition des Allgemeinen nicht erfolgen. Und nur dieses, wennsich nicht sehr irre, ist der wahre Grund, warum man es demdramatischen Dichter, noch williger aber dem Epopccndichtcr, er-lassen hat, in ihre Werke eine einzige Hauptlchrc zu legen.Denn was hilft es, wenn sie auch eine hineinlegen? Wirkönnen sie doch nicht darinn erkennen, weil ihre Werke viel zuwcitläuftig sind, als das wir sie auf einmal zu übersehen ver-möchten. Zn dem Sauclctte derselben müßte sie sich wohl end-lich zeigen; aber das Squclctt gehöret für den kalten Kunst-lichter, und wenn dieser einmal glaubt, daß eine solche Haupt-lchrc darinn liegen müsse, so wird er sie gewiß hcrausgrübcln,wenn sie der Dichter auch gleich nicht hinein gelegt hat. Daßübrigens das eingeschränkte Wesen der Thiere von dieser nichtzu erlaubenden Ausdehnung der acsopischcn Fabel, die wahreUrsach nicht sey, hätte der kritische Briefsteller gleich daher ab-nehmen können, weil nicht bloß die thierische Fabel, sondernauch jede andere acsopische Fabel, wenn sie schon aus vernünf-tigen Wesen bestehet, derselben unfähig ist. Die Fabcl vondcm Lahmen und Blinden, oder von dem armen Manne unddem Tode, läßt sich eben so wenig zur Länge d'rs epischen Ge-dichts erstrecken, als die Fabcl von dcm Lamme und dcm Wolfc,oder von dcm Fuchse und dcm Nabe». Kann es also an derNatur der Thiere liegen? Und wen» man mit Beyspielen sirci-