Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
413
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IV. Von dein Vortrage drr Fabeln. 413

der Dinge verändert? Denn alle diese Zicrrathcn streiten mitdem wirklichen Wesen der Fabel. Ich will es beweisen.

Wenn ich mir einer moralischen Wahrheit durch die Fabelbewußt werden soll, so muß ich die Fabel aus einmal übersehenkönnen; und um sie auf einmal übersehen zu können, muß sieso kurz seyn, als möglich. Alle Zicrathcn aber sind dieser Kürzeentgegen; denn ohne sie würde sie noch kürzer seyn können:folglich streiten alle Zicrathcn, in so fcrn sie leere Verlänge-rungen sind, mit der Absicht der Fabel.

Z. E. Eben mit zur Erreichung dieser Kürze, braucht dieFabel gern die allcrbckanntcstcn Thiere; damit sie weiter nichtsals ihren einzigen Namen nennen darf, um einen ganzen Cha-rakter zu schildern, um Eigenschaften zu bemerken, die ihr ohnediese Namen allzuviel Worte kosten würden. Nun höre manden Zdattcur:Diese Zicralhc» bestehen LLrftlicli in Gcmähl-den, Beschreibungen, Zeichnungen der Ocrter, der Personen,der Stellungen." Das heißt: Man muß nicht schlechtwegz. E. ein Fuchs sagen, sondern man muß fein sagen:

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tZi-nnil crolniour llv ,,l>ulets, Zianc! jiioneur do Ii>i>ins,

Kentunt /an 1!o!N'ä cl'imo liouö kc.Der Fabulist brauchet Zuchs, um mit einer einzigen Sylbe einindividuelles Bild eines witzige» Schalks zu entwerfen; und derPoet will lieber von dieser Bequemlichkeit nichts wissen, willihr entsagen, ehe man ihm die Gelegenheit nehmen soll, einelustige Beschreibung von einem Dinge zu machen, dessen ganzerVorzug hier eben dieser ist, daß es keine Beschreibung bedarf.

Der Fabulist will in Einer Fabel nur Eine Moral zur In-tuition bringen. Er wird es also sorgfältig vermeiden, die Theilederselben so einzurichten, daß sie uns Anlaß geben, irgend eineandere Wahrheit in ihnen zu erkennen, als wir in allen Thei-len zusammen genommen erkennen sollen. Viclwcnigcr wird ereine solche fremde Wahrheit mit ausdrücklichen Worten cinflicssenlassen, damit er unsere Aufmerksamkeit nicht von seinem Zweckeabbringe, oder wenigstens schwäche, indem er sie unter mehrereallgemeine moralische Sätze theilet. Aber Batteur, was sagtder?Die zweyte Zicrath, sagt er, bestehet in den Gedanken;