Lorrede.
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einen so reichhaltigen Anbrach gleichsam zn Tage zu finden,das Glück hatte.
Wenn ich nun für das Weitere dem Rathe der Meistenhätte folgen wollen: so würde die Abfassung und Bekanntma-chung eines vollständigen Verzeichnisses aller handschriftlichenSchätze der Bibliothek, das Beste und Kürzeste gewesen seyn,was ich in Absicht meines Vorsatzes hätte thun können.
Und allerdings wäre dieser Rath recht herrlich und schön,wenn er nicht einen kleinen Fehler mit so manchem andernherrlichen und schönen Rathe gemein hätte. Die Ausführungist auf der einen Seite, nicht eben sehr nützlich: und auf derandern, nicht so recht möglich.
Denn entweder man mcynct ein Verzeichnis^, welches nichtsals die ctwanigen Aufschriften der Manuscripte enthält. —Ein solches kann man sich leicht einbilden, ist längst bey derBibliothek vorhanden, und braucht nichts, als gelegentlich er-weitert und berichtiget zn werden. Die Bekanntmachung dessel-ben durch den Druck aber, dünkt mich, würde am Ende pom-pöser, als ersprießlich seyn. Sie würde bey den Gelehrten somanche übcrflüßigc Ncugicrde, so manche eitle Erwartung erre-gen; sie würde dem Bibliothekar auf ewige Zeiten so manchevergebene Mühe, so manchen Zeitverlust machen, ihn so man-chen auf nichts hinauslauffcndcn Anfragen aussetzen: daß derdaraus erwachsende Nachtheil den Vortheil unendlich überwie-gen dürfte.
Oder man meyner ein Verzeichniß, welches bey jedem Ma-nuscripte zugleich mit anmerkt, ob es bereits herausgegeben sey,oder nicht; ob es sonst genutzt worden, oder nicht; ob es ge-nutzt zu werden verdiene, oder nicht. — Zst ein solches Ver-zeichniß das Werk einiger Zahre? Zst es das Werk eineseinzigen Mannes? Und würde ich dieser einzige Mann seyn? —
So schränke sich, wird man sagen, der einzige Mann aufdas Wichtigste ein. — Recht wohl. Aber was ist das Wich-tigste? Wo findet es sich? Wer zeigt es ihm? Wie gelangter dazu?
Ohne Zweifel, durch Versuche; durch anhaltenden Fleiß; durchgutes Glück. — Und das ist es, woraus ich kommen wollte.
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