2 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag.
lich ankömmt. Nicht darauf, daß man die gleichgültigem Um-stände ihrer Entstehung und ihrer allmäligcn Vermehrung miteiner ängstlichen Gewissenhaftigkeit her erzählet; das wäre höch-stens die Genealogie der Bibliothek: sondern darauf, daß manzeigt, wozu es denn nun auch der Gelehrsamkeit und den Ge-lehrten genutzt habe, daß so viele Bücher mit so vielen Kostenhier zu Haufe gebracht worden. Das allein sind die Thatender Bibliothek: und ohne Thaten giebt es keine Geschichte.
Denn kaum daß Dorckhard noch die wenigen Werke mit-nimmt, die Augustus selbst aus dieser seiner Bibliothek, ent-weder zuerst, oder verbessert, herausgeben lassen. Das weitMehrere und weit Beträchtlichere, was in Zeiten, die ihm dochviel näher waren, Männer wie K.eibnirz, iLckarö, L.enfant,Lorle, Salig:c. aus ihr geschöpft haben, ist mit dem tiefstenStillschweigen von ihm Übergängen worden. Gleichwohl hätteauch er schon dreist behaupten können, was ich itzt um so vielsichrer behaupten darf: nehmlich, daß in diesem Jahrhunderteschwerlich eine Bibliothek in Europa so viele und so wichtigeBeytrage zu so mancherley Theilen der Gelehrsamkeit gelieferthat, als die Unsrige.
Wenn ich es nun für meine erste Pflicht hielt, mir vondiesen Beyträgen allen eine genaue und so viel möglich kritischeKenntniß zu erwerben: so schmeichle ich mir, daß ich in einigerZeit nicht unfähig seyn dürfte, den Mangel des BurckhardschcnWerks zu ergänzen, und eine Littcrär Geschichte derselben bereitzu haben, die in einem vorzüglichern Verstände die Geschichteder Bibliothek heisscn könnte. —
Doch was dann? Wird die Welt dadurch viel mehr be-kommen, als sie bereits hat? Ein Inventar von Schätzen, istrecht gut; aber es ist kein neuer Schatz.
Und ich will es nur bekennen, was von Anfange an meinstolzrer Vorsatz gewesen ist. Mit Einem Worte: lieber für dienoch künftige Geschichte der Bibliothek neuen Stoff zu brechen;als die Rechnungen von der verflossenen aufzunehmen.
Von der Ergiebigkeit des Grundes war ich aus fremdenErfahrungen hinlänglich überzeugt; und wurde es durch meineeigene um so mehr, als ich an jener Schrift des Berengarms