Ueber die Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger. V
Was aber, wie gesagt, jenen Gelehrten nicht zu verübelnstehet, das wurde cincm Bibliothekar, der eine so einzige Merk-würdigkeit unter seinem Beschlusse hat, sehr zu verdenken seyn.Denn von diesem verlangt man sogar, daß er gelegentlich Mel-dung davon thue, wenn man ihm anders zutrauen soll, daß erdas, was er bewachet, auch kenne. Und daher glaube ich dennmit folgender Nachricht, selbst bey denen keinen Undank zu ver-dienen, die ihr schriftstellerisches Verdienst um eine Kleinigkeitdadurch geschmälert finden dürften.
— Also zuvörderst das Acusscrlichc und Materielle des Buchszu beschreiben: so setze ich zu dem, was der Herr von -Hcinekebereits von dem Formate und den eingedruckten Holzschnittendesselben gesagt hat, noch dieses hinzu — Das Papier istvon ziemlicher Stärke, aber nicht von besonderer Weisst; undhat zum Zeichen den aus den Maynzischcn alten Drucken so be-kannten Ochscnkopf. Ich merke dieses darum an, weil es so-nach ein sichtbarer Beweis ist, daß besagtes Zeichen nicht schlech-terdings einen Fausiscben Druck beweiset, wie Nandöus be-haupten wollen; welcher Behauptung die Kenner zwar ihrenZweifel, aber doch, so viel ich weiß, noch kein wirkliches Bey-spiel entgegen gesctzct haben (^). — Die Blätter, deren in al-len acht und achtzig sind, haben überhaupt keines von denMerkzeichen, durch welche ihre Folge bestimmt, und die Znsam-menbindung erleichtert wird. Sie sind weder paginirt noch ge-zählt; ohne Custos und Signatur: daher es um so weniger zuverwundern, daß sie hier und da verbunden worden. — DieSchrift ist eine plumpe stumpfe Fractur, fast so groß als die,welche in den Formatbüchcrn Doppcl-Mittcl-Fractur heißt. Demersten Slnschn nach sollte man sie für eben die Schrift halten,aus welcher LonraV Rachcloven seinen Donat gedruckt hat.Doch bey genauer Betrachtung findet man dicsc ctwas stärker,und in den Zügen einiger grossen Buchstaben vcrschicdcn; zwar
(°) Nehmlich daß es in klein Folio seh, und über jeder Fabel ein Holz-schnitt stehe, dergleichen er einen copirm, nnd ihn sowohl seinen Nachrich-ten als dem angeführte» französischen Werke bevdrucke» lassen.
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