Die Nachtigall.
des Volks; lind wann geschehene Dinge nicht mit dichterischenFabeln darinn ausgeschmückt waren, so waren sie doch mitEmpfindungen durchwebt, die man wirklich dabey gehabt hatte.Für solche Empfindungen giebt uns der heutige Geschichtschrei-ber kalte, aber wenn Gott will, sehr zuvcrläßige Beläge ausdem bcdächtlichcii Kabinete; und wir finden uns trefflich ver-bessert. —
Der Verfasser sagt auf dem Titel, daß er den wesentlichenInhalt aus den Schriften Herzog Johann Friedrich des Mitt-lern gezogen habe. Ich sehe, daß er vornehmlich die Antwortdamit gcmeynet, welche dieser Herzog, des Reichs abgesand-ten Votschaffren, auf ihr Anbringen und Werbung, Wil-helmen von Grnmbachs, Ernst von Mandelöls, und lVilHelmen von Steins halben, gegeben, und die auf15 Bogen in Quart gedruckt ist, auch von Rudolphi scincx6otl,a DipInmatieÄ einverleibt worden Da ich nun sowohldiese Antwort, als auch alle andere dahin schlagende Schriften,von beiden Theilen, mit allem Fleisse durchlescn mußte, um vondem wahren Werthe meiner Nachtigall urtheilen zu können:so hatte ich bereits die merkwürdigsten Parallelstcllcn in ihnenausgezeichnet, und war Willens, sie, wie es kommen würde,zur Erläuterung, oder Bestärkung, oder Widerlegung, der schwa-chen Stimme des guten Vogels unterzulegen. Doch bey nähererErwäguug fand ich für gut, demjenigen in nichts vorzugrciffcn,der es einmal wagen dürfte und wollte, die GrumbachschenHändel in allem ihrem Umfange, mit Freymüthgkeit und Ein-sicht in die damalige deutsche Staatsverfassung, zu beschreiben.Mir genüge, diesem Manne, dem ich den Geist eines Salustiusoder St. Real siebenfältig wünsche, eine Kleinigkeit zur Handgeschafft zu haben, die er ungern vermissen würde, und die ichohne weitere Vorrede hier mittheile.
(') Tl'cil II, S. 62 — !>?.