Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
Seite
82
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Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag.

denen er eben so zuverläßig Zauberer und Teuffelsbanner seynmüßte, und sicherlich seyn würde, wenn sie es nicht für schimpf-licher hielten, Alfanzcreycn nachzuschreiben, als Verleumdungen?

Wenn diesen Gelehrten nun gar seine Nachforschungen aufdie Spur einer Schrift bringen, die Grumbachs heftigster Feind,eben als er den Garaus mit ihm spielen wollte, verbrennenlassen; die folglich für Grumbachen muß gewesen; die er abernirgends selbst auffinden kann: (Und eine solche Schrift ist un-sere Nachtigall, wie man aus den Umständen schon wird ge-schlossen haben) was soll er denken? Zst er, bey der Untreue,bey dem Leichtsinn, mit welchem man auf das blosse Wort sei-ner Feinde, Anklagen auf Anklagen gegen ihn häuft, ohne diegeringste Rücksicht auf seine Rechtfertigung zu nehmen, nichtbefugt, das ärgste zu denken? zu argwohnen, wer weiß was:Dinge darinn enthalten gewesen, auf die man den Scharfrich-ter antworten lassen, weil sich sonst niemand sie zu beantwortengetrauet?

Und dieses wäre die nähere, wichtigere Ursache, eine der-gleichen Schrift wieder herzustellen. Denn ob sich schon derGelehrte in seinem Argwohne irren würde; ob schon unsereNachtigall nichts singt, was nicht damaliger Zeit mehr Vögelauf den Dächern sangen: so ist auch das schon ein Verdienst,wenn der Litterator, der ihm nur Materialien in die Händeliefern soll, durch den Verlust eines leidigen Bogens, einen sol-chen Argwohn sowohl ihm, als dem, den er trift, ersparet.

Denn daß ich die Schrift selbst nun etwas näher beschreibe,so ist sie ein kleines Gedicht von ohngefehr sechshundert Zeilen;und dieses Gedicht ist, seiner Einkleidung nach, die Apostropheeiner Nachtigall an das Haupt und die Glieder des Reiches,nach dem verschiedenen Interesse, das sie an der GrnmbachschcnSache nahmen, oder hätten nehmen sollen. Der poetische Werthdesselben ist klein. Es war die uralte Gewohnheit der Deut-schen, ihre Geschichte in Lieder und Reime zu verfassen: unddiese Gewohnheit hat sich sehr lange erhalten. Daß sie nun-mehr gänzlich abgekommen, mag vielleicht für den Geschmackganz gut seyn: aber für die historische Wahrheit ist es gewißnicht gut. Zn diesen Liedern erschallte gemeiniglich die Stimme