Vie Nachtigall.
sie nicht haben. Es soll und kann allein ein öffentlicher Be-weis der obrigkeitlichen Mißbilligung, eine Art von Strafe ge-gen den Uhrhcbcr seyn. Was Einmal gedruckt ist, gehört derganzen Welt auf ewige Zeiten. Niemand hat das Recht, eszu vertilgen. Wenn er es thut, beleidiget er die Welt unend-lich mehr, als sie der Verfasser des vertilgten Buches, vonwelcher Art es auch immer sey, kann beleidiget haben. Erstürzet sie vorsctzlich in Ungewißheit und Zweifel; er beraubtsie des einzigen Mittels, selbst zu sehen, selbst zu urtheilen; erverlangt, auf eine eben so vermessene als lächerliche Art, daßsie ihm blindlings glauben, ihn blindlings für einen eben soehrlichen als einsichtsvollen Mann halten soll.
Die Grnmbachschcn Händel sind vorbey; auch in ihren un-mcrklichstcn Folgen vorbey. Nur dem Gelehrten, der sich langenachher ein Geschäfte daraus macht, Gründe und Gegengründcgegen einander abzuwägen, wenn beide nichts mehr fruchten,und nichts mehr schaden; nur dem Staatsmann, dem die Ge-schichte seine Schule ist, sind sie noch dann und wann gegen-wärtig. Was dieser daraus lernen kann, weiß ich nicht, magich nicht wissen. Aber wie jenem oft dabey zu Muthe seynmuß, kann ich eimgcrmaassen urtheilen.
Er wird weit entfernt seyn, sich zum Vertheidiger Grum-bachs und seines Anhanges auszuwerfen. Er ist von demVerbrechen dieses Mannes überzeugt; er giebt es zu, daß dieStrenge, mit der man gegen ihm verfahren, vielleicht damalsnothwendig gewesen; er erkennet mit allem Wohlgefallen, daßdiese Strenge wenigstens in ihren Wirkungen, zu Festsetzungder allgemeinen Sicherheit, zu gänzlicher Abstellung der gesetz-widrigen Selbsthülfe, sehr ersprießlich gewesen.
Aber wenn er dieses alles thut, wird er darum auch mitden Geschichtschreibern zufrieden seyn, die einen Mann, den einedamals sehr gewöhnliche Dcnkungsart zu Unthaten verleitete,die nichts weniger als die einzigen von ihrer Art im Reichewaren, die diesen Mann, sage ich, zu dem abscheulichsten undunsinnigsten Bösewicht macbcn? die ihm alle Schandthaten,deren ihn seine Gegner bczüchtiget, als die erwiescnstcn Wahr-heiten nachsagen? denen er Mörder und Straasscnräuber ist?Les«mgs Werke ix, ß