458 Zur Geschichte lind Litteratur. Erster Beytrag.
sikalische Uebel, das er sonach in seiner besten Welt zn seynbekennen mußte, desto unmittelbarer ans dem Uebel der Schuldherleiten zu können; ohne dabey auf die Unendlichkeit desjenigenzu sehen, gegen den diese Schuld geschehen, weil diese Unend-lichkeit doch nicht mit in den Zusammenhang der Dinge ver-webet seyn konnte.
Und das würde es alles seyn, was ich hier hinzuzufügenhätte, wenn mir nicht eben dieses Weges einer unserer neuestenSchriftsteller begegnet wäre. Herr iLberhard in seiner Apo-logie des Sokrates, einem in vieler Absicht sehr vortrcflichcnBuche, worinn er die Lehre von der Seligkeit der Heiden un-tersucht, hat auch die von der Unendlichkeit der Strafen mit inseine Prüfung ziehen zu müssen geglaubt. Nun hat es zwarseine ganz besondere Ursache, warum ich wünschen könnte, daßer sich, wenigstens nicht in einer Apologie des Sokrates, da-gegen erklärt hätte. Aber doch würde mich blos diese schwer-lich vermögen können, mir die geringste Anmerkung dagegen zuerlauben; wenn er nicht zugleich, indem ihn seine Materie auchauf das brachte, was Leibnitz darüber geäusscrt hatte, gegendiesen und dessen Aeusserung verschiedenes erinnert hätte, wasich hier in Erwägung zu ziehen, einen so nahen Anlaß finde.Zch will, was ich zu sagen habe, so kurz zu fassen suchen, alsmöglich; und meine Gedanken wo nicht ordnen, doch zählen.
I. Ich fange von dem allgemeinen Urtheile an, welchesHerr Eberhard von Leibnitzcn, in Absicht seines Betragensgegen angenommene Rcligionssätzc, sällt. Nachdem er nehm-lich nun auch auf denjenigen Beweis der ewigen Strafen ge-kommen, von welchem hier die Rede gewesen, zeigt er sehr wohl,daß man mit demselben nicht über die Grenzen der Möglich-keit gelangen könne, und fährt fort: „Die scharfsinnigsten Ver-fechter dieser Sache, wie L.eibniy, haben es wohl gefühlt,„ daß ein solcher Beweis nicht weiter reicht. Ä,eibnilz argumcn-„tirte also nur blos für die, welche von der wirklichen Ewig-keit höllischer Qualen aus der Schrift schon überführt waren.„Da ihm so viel daran gelegen war> seine Philosophie allge-mein zu machen: so sucht er sie den herrschenden Lehrsätzen„aller Partheyen anzupassen, sie ihnen allen für ihre Meynung