Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
Seite
160
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Zur Geschichte und Litteratur, erster Beytrag.

Dieser erträgliche Sinn war Wahrheit; und wie hätte er derWahrheit nicht beypflichten sollen? Auch ist ihm das, weder alsFalschheit noch als Eitelkeit anzurechnen. Er that damit nichtsmehr und nichts weniger, als was alle alte Philosophen inihrem cxotenschen Vortrage zu thun pflegten. Er beobachteteeine Klugheit, für die freylich unsere neuesten Philosophen vielzu weise geworden sind. Er setzte willig sein System beySeite; und suchte einen jeden auf demjenigen Wege zur Wahr-heit zu führen, auf welchem er ihn fand.

II. Herr Eberhard fährt fort:Dieß ist augenscheinlichder Fall mit dem gegenwärtigen Beweise. Um seiner bestenWelt bey denen, die eine Ewigkeit der Höllenqualen anneh-mcn, Eingang zu verschaffen, suchte er darzuthun, daß auchdiese sich mit seinen Sätzen von der besten Welt, und mitseinen Begriffen von der Gerechtigkeit Gottes reimen lasse."Man vergesse nicht, was dieses für ein Beweis ist. Es istder, welcher die endlose Dauer der Strafen, aus der unaufhör-lichen Fortsetzung der Sünde herleitet. Aber in welcher Ver-bindung stehet dieser Beweis mit der Lehre von der besten Welt?Wie kann er dieser Lehre bey denen Eingang verschaffen,welche die Ewigkeit der Höllenqualen, auch ohne ihm, anneh-men? Hören diese ewige Qualen darum auf, ein Einwurf ge-gen die beste Welt zu seyn, weil sie gerecht sind? Gerecht,oder nicht gerecht: sie geben in beiden Fällen dem Uebel einenunendlichen Ausschlag; und gegen diesen Ausschlag, nicht ge-gen ihre Ungerechtigkeit, hätte Leibnitz seine beste Welt verwah-ren müssen. So wie er es auch wirklich gethan: aber nichtdurch besagten Beweis; sondern durch eine ganz andere Aus-flucht. Denn wenn dieser nehmliche, von den ewigen Qualmhergenommene Einwurf gegen seine beste Welt, auch noch da-durch verstärkt wurde, daß selbst die Zahl der ewig verdammtenMenschen unbeschreiblich grösser seyn werde, als die Zahl derSeligen: was antwortete er darauf? Etwa blos, daß gleich-wohl diese ungleich mehrere Verdammte, mit Recht verdammtwären? Was hätte ihm dieses für seine beste Welt helfen kön-nen, was sich ohnedem schon von selbst verstehet, wenn andersdie Sache ihre Nichtigkeit hat? Vielmehr nahm er beides, so-