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Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag.
gesetzt auch, daß sie bey den Bestraften selbst nicht Statt fände:sondern er redet auch der blos rächenden Gerechtigkeit Gottes,welche weder die Besserung, noch das Exempel, m inemo I»repsiation <Zu mal- zur Absicht habe, sehr ernstlich das Wort;indem er sie nicht blos auf die von den Theologen erwieseneAndrohung, sondern auf eine wirkliche Convenienz, auf eine ge-wisse Schadloshaltung des Verstandes, gründet. (*) Selbst denSatz, daß die Sünde deswegen unendlich bestraft werde, weilsie ein unendliches Wesen beleidige, hat er nirgends verworfen,oder auch nur gcinißbilliget. Er sagt zwar an einem Orte,daß einmal eine Zeit gewesen, „als er diesen Satz noch nicht„genugsam untersucht hatte, um darüber ein Urtheil zu fäl-„lcn."(") Ich finde aber nicht, daß er es nachher gefällt;ohne Zweifel weil er nachher, als er ihn genugsam untersuchthatte, erkannte, daß sich schlechterdings nichts darüber bestim-men lasse. Denn wenn jene rächende Gerechtigkeit, Gott wirk-lich zukommt: welcher endliche Verstand kann ihre Gränzen be-zeichnen? Wer darf sich zu entscheiden wagen, was für einenMaaßstab sie bey diesen ihren Strafen anzunehmen habe, undwas für einen nicht? Der Maaßstab ihrer eignen Unendlichkeitist wenigstens eben so wahrscheinlich, als jeder andere.
IV. Aber wozu dieses alles? Will ich Lcibnitzcn in nochgrössern Verdacht bringen, daß er den Orthodoxen nur geheu-chelt habe? oder will ich ihn in allem Ernste, bis zum Aerger-niß unsrer Philosophen, orthodox machen? Keines von beiden.Ich gebe es zu, daß Ä.eibiillz die Lehre von der ewigen Ver-dammung sehr exoteriscl) behandelt hat; und daß er sich esote-risch ganz anders darüber ausgedruckt haben würde. Allein ichwollte nur nicht, daß man dabey etwas mehr als Verschieden-heit der Lchrart zu sehen glaubte. Ich wollte nur nicht, daß
(°) Olle especs ,Ie ^uMcs, qui n's, poinl, pinir dut I'i>msn>>ement, niI'exemple, ni meme I» reptlr-Uien >U> msl. — llolibes et <l»el<lue» »utres«'»llmellent point cette jusliee punilive, riui ett proprewent vinllie-Uivs. —»In!» eile ett to^ours koniiee «lün» un r^pport Ue eonvensnee, <iui von-wnl« neu lvnlement I'offenle, ni-lis eneoie les lsxes qui Is, vo^ent; oovime,i»e belle mutiline, ou I>!en une denn« arcliileolure ooiUenIe les el°nrilsIiiei>5»i«s. ?'/ieoÄ. 8. 73.(") Thcod. III. H. 92.