264 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag.
Ich will zuvörderst die Geschichte von der Entstehung diesesAufsatzes, mit den Worten des Chevalier de Iaucourt, ^) er-zählen. „Zn diesem nehmlichen Zahre (1671) zeigte sich unser„Philosoph öffentlich als einen Theologen; und das bey einer„von den Gelegenheiten, die der blosse Zufall an die Hand„giebt. Der Baron von Zöoincburg, welcher eben zur katho-lischen Religion übergetreten war, hatte an den Andreas„Mlssorvktlns, mit dem er in grosser Verbindung stand, einen„langen Brief geschrieben, nicht allein um sich bey ihm wegen„seiner Veränderung der Religion zu rechtfertigen, sondern auch„nm ihn zu vermögen, einen gleichen Schritt zu thun. Aber„ der Brief des VaronS machte auf den Geist des wissorvatius„wenig Eindruck. Dieser Pohlnischc von Adel, der unter den„Unitariern sehr berühmt war, ist den Gottcsgelehrtcn durch„verschiedene Schriften bekannt, die man in der sogenannten„Bibliothek der Pohlnischen Brüder gesammelt hat, wo sie„unter den Anfangsbuchstaben seines Namens ^. VV. vorkom-men. Er war übrigens ein Enkel des Faustus Socinns,„und damals bereits in hohem Alter. Er hatte Zeit seines„Lebens nichts gethan, als die Grundsätze seiner Sekte ver-theidiget, für die cr das Elend bauen mußte, welches er„muthjg ertrug. Er flüchtete zuletzt nach Amsterdam , wo er„im Jahre 1678 starb. Daß nun so ein Mann bey seinen„Gesinnungen werde fest geblieben seyn, kann man sich leicht„vorstellen. Er antwortete dem Herrn von Noineburg, daß„cr eben so wenig die Lehre von der Transsubstanliation, als„die von der Dreyeinigkeit zugeben könne; daß cr also, ehe cr„sich auf jene einlasse, ihn vorläufig nur auffodern rvollc,„diese fest zu setzen, oder auch nur in syllogiftischcr Form auf„die Gründe zu antworten, die er ihm dagegen zuschicke; er„sey gewiß, daß so etwas auf keine Weise zu leisten stehe.„Der Baron von Doineburg konnte Ehren halber nun nicht„zurück; cr mußte die Ausfodcrung annchmcn. Weil cr aber„durch allzuviele Geschäfte zerstreut war, so wandte cr sich an
(°) I» seiner Lebensbeschreibung des Herrn vonLcibniy, die gewöhn-lich den Franzo'sischc» Ausgaben der Thcodiccc vorgesetzt ist. Seite 1L. derAmstcrdamnicr Ausgabe von 1747.