Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
Seite
396
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3SK Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag.

mit seinen Freunden besucht zu haben. Wie, wenn der Kay-scr, als ihm dieses zu Ohren gekommen, aus blossem Verdachte,den man gegen alle fremde Gesandten hat, nur wissen wollen,was es für einen Zusammenhang mit diesem Besuche habe?Wenn er also die Briefe auffangen lassen, die an den Gesand-ten gekommen? Wenn es also aufgefangene Briefe von Neu-scrn an den Gesandten blos gewesen wären, die dem Kayscrdas Geheimniß verrathen? Diese Vermuthung ist so wahr-scheinlich, daß man sich gar nicht wundern darf, sie vom Gan-dius für die Wahrheit selbst angenommen zu finden; (") wenner Neuscrs Brief, illustrem vn. Lelieliiim, losnn'is SiAit-muvtli ^rant^luaniao Princip!« I^egatum scl Nax!ni!Iianu»l II.Imperatorem, als noch im Manuskripte vorhanden anführt,und hinzusetzt: «nia vpittola tüaolar inlereepta, procurauit, vtReutcrus eum 8)Iuano In vinoula coniieeretur. Daß das Da-tum dieses Briefes 1571, welches Sandius angicbt, ein Druck-fehler sey, versteht sich. Aber eben so versteht sich/ daß woein Druckfehler ist, darum nicht eben auch eine Lüge seyn müsse.Ein aufgefangener Brief von Neuscr» an Vekeß muß wenig-stens wohl da gewesen seyn: nur ob eben der Kayser ihn auf-gefangen habe, das ist freylich eine andere Frage. Denn wieleicht könnte ihn blos der Churfürst von der Pfalz haben auf-fangen lassen? Zhm konnte doch Neuscrs Reise am wenigstenverborgen geblieben seyn. Bey ihm war Neuscr ohnedem schonnicht wohl angeschrieben. Bey ihm hatte Neuscr schon zumchrmalen um seinen Abschied angehalten. Was Wunder also,wenn er gleich das Schlimmste von ihm argwohnte^ und anseine Briefe zu kommen suchte? Und als er sie hatte, warumhätte er sie nicht von dem Kayser erhalten zu haben vorgebenkönnen, um die Lebhaftigkeit und Schärfe seiner Untersuchungdamit zu vcrlarvcn? Neuscr sagt es ja, daß er im Gefäng-nisse immer hörcn müssen, was man mit ihm handle undthäte, das müßte man des Raysers halben thun. Hätte eres nun auch am Ende selbst geglaubt: war es darum wahr?Bleibt es darum dennoch nicht höchst unwahrscheinlich, daßsich der Kayscr eines so widersprechenden Betragens schuldig

(°) »ililiolli. äulilrinU. x. St.