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Vom Alter der Oelm.ücrci),
I.
belehrte und Künstler geben cinmüthig vor, hl) daß die Oel-malcrey eine nettere Erfindung sey, welche nicht eher, als inder ersten Hälfte des fnnfzehnten Jahrhunderts, in Ausübunggebracht worden.
Auch geben sie, fast eben so cinmüthig, vor, (I,) daß mandiese nenerc Erfindung einem Niederländischen Maler, NamensJohann von LLyck, oder wie er nach dem Orte, wo er meistenslebte und arbeitete, genannt wird, Johann von Brügge, zudanken habe.
Und worauf gründet sich dieses Vorgeben? Was hat esfür historische Beweise? Finden sich Zeugnisse zeitvcrwandtcrSchriftsteller? Oder hat der Erfinder selbst, auf seinen erstenWerken dieser Art, der Nachkommenschaft die Versicherung da-von überliefert; so wie es die Erfinder der Druckcrey zu thun,die Vorsicht gehabt? Und wo sind diese Werke, diese unwidcr-svrcchlichcn Beläge?
Auf alle diese Fragen weiß ich mir nichts zu antworten;so angelegen ich mir es auch seit geraumer Zeit seyn lassen,darauf antworten zu können. So viele der neuesten und gründ-lichsten Schriftsteller das nehmliche versichern, so viele weisenmich alle, von einem Gewährsmanne zu dem andern, auf deneinzigen Vasari zurück.
Aber Vasari schrieb andcrthall'hundcrt Zahre nach Zohannvon Eyckcnsv); und unter die vielen und mancherley Dinge,die er, aus einer blossen unsichern mündlichen Ueberlieferung,mit solcher Zuversicht hinschrieb, als ob er selbst bey der Ver-handlung derselben gegenwärtig gewesen wäre, könnte auch wohldieses, von Erfindung der Oclsarbcn, mit gehören. Wenigstensist es gewiß, daß man dem Vasari lediglich auf sein Wortglauben muß; ja, ob er schon die Gemälde namhaft macht,welche die ersten in Oel gewesen seyn sollen, so sagt er dochweder, woran diese Gemälde für das, wofür er sie ausgiebt,zu erkennen gewesen, noch auch, daß er sie selbst gesehen unduntersucht, und ältere Gemälde gegen sie geprüft habe.
Freylich ist es kaum glaublich, daß Vasari schlechterdingsder erste seyn solle, welcher das, wovon die Ncdc ist, gcschric-