Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
Seite
446
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446 Vom Alter der Oelmalercy.

vorsichtig zu seyn, entschloß cr sich, den Ofen aus der Stubezu schaffen, und erfand den Kamin." Das natürlichere wäreja wohl gewesen, wenn Johann von Eyck ein andermal dieStücke seiner hölzern Tafel besser zusammengefügt, lind sie we-niger unmittelbar einer allzustarkcn Sonnenhitze ausgesetzet hätte.Auch weiß ich zuvcrlaßig, daß man längst vor ihm sehr wohlverstand, die hölzern Tafeln der Gemälde vor aller solcher Ge-fahr des Wcrffcns und Berstens auf das unfehlbarste zu sichern.Das Unglück also, welches ihm wiedcrfahrcn seyn soll, hat ihmnicht leicht wicderfahrcn können; und wenn es ihm aus Nach-lässigkeit einmal wicdcrfahren wäre: war das eine von denGelegenheiten, in welchen sich der Verstand zu neuen Erfindun-gen anstrenget?

Ferner: das Geheimniß der Oclfarben soll lange Zeit beydem Erfinder und seinen Freunden ganz allein geblieben seyn,ohne daß auswärtige Künstler hätten dahinter kommen können;bis endlich Antoncllo von Mcssina aus Italien nach Flandernzu reisen sich entschlossen, und es dem Johann von Eyck freund-schaftlich abzulocken gewußt habe. Wer Augen und Nase hat,wird sich das schwerlich bereden lassen. Denn beide überzeugenihn, daß die Oclfarben zu denjenigen Erfindungen gehört habenmüssen, welche gemacht zu haben, und sie bey der ersten Aus-übung der ganzen Welt mitzutheilen, einerley gewesen (x). Be-sonders in erst vollendeten Werken verräth sich das Oel, auchunter der Glasur eines van der Werft, so deutlich, daß kunst-vcrwandte Betrachter gewiß nicht viel vergebliche Versuche dar-um würden verloren haben. Und wollte man auch dieses inAbrede seyn; wollte man annehmen, daß Johann von Eyck, umsein Geheimniß zu verbergen, wohl ein zweytes Geheimnißkönne gehabt haben: so entstehet daraus eine Frage, auf dienoch weit schwerer zu antworten seyn dürfte. Nehmlich; konnteman es seinen Gemälden, als sie neu waren, schlechterdingsnicht ansehen, daß sie mit Oel gemalt seyn müßten: wie konnteman es denn eben diesen Gemälden hundert Jahre später an-sehen? Gewiß mußte man es ihnen auch dann nicht ansehenkönnen; und es war blosse Sage, auf welche Nasari sie für dieersten Oclgcmälde ausgab.