Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
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447
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Vom Alter der Oelmalerey.

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Doch ich bin weit entfernt, auf diese Bedcnklichkcitcn allein,oder wohl gar ans dem leidigen Vorurtheile, daß es sich schwerbcgrciffcn lasse, wie die Alten, die in den Künsten so viele be-sondere Erfahrungen angestellt, nicht auch auf die so leichteMischung der Farben mit Oel sollten gefallen seyn: ich bin,sage ich, weit entfernt, aus dergleichen Vernünftelcycn denNeuern eine Erfindung abstreiten zu wollen, die ihre Malcrcyso weit über alles erhoben hat, was wir uns von den Werkender alten Maler zu denken belieben. Denn ich weiß sehr wohl,daß alle neuere Erfindungen auf diese Art verdächtig zu machensind. Auf viele gcräth man auf einem Wege, auf welchemman gerade nicht darauf gerathen sollte; und vielleicht von al-len läßt sich mehr oder weniger zeigen, daß irgend einmalirgend jemand sehr nahe dabey gewesen seyn müsse. Voneiner, sie sey welche es wolle, beweisen, daß sie vorlängst hättegemacht seyn können oder sollen, ist nichts als Chicane; manmuß unwidcrsprcchlich beweisen, daß sie wirklich gemacht gewe-sen, oder schweigen.

Und hieraus wird man leicht abnehmen, was ich mir selbstzu thun auferlege, und zu thun getraue, indem ich dem Johannvon Eyck die Erfindung, weswegen sein Name länger als zwcy-himdcrt Jahre mit so vielem Ruhme genennet worden, gänz-lich abspreche, und behaupte, daß die Oelmalerey nichts weni-ger, als eine so neue Erfindung ist, sondern so manche Jahr-hunderte zuvor schon bekannt gewesen, daß mich die Vermuthungsehr erlaubt dünket, sie werde auch noch früher bekannt ge-wesen seyn.

Meine Beweise sind klare, deutliche, unverdächtige, unwider-sprcchliche Stellen aus einem noch ungcdrucktcn Werke desThcophilus Presbyter.

II.

Aber wer ist dieser Thcophilns? Und was ist dieses für einnoch ungcdrucktes Werk von ihm?

Es ist eben derselbe Mönch, oder wie er sich selbst nennt,Presbyter, dieses Namens, aus der mittlern Zeit; es ist dessennehmliches lateinisches Werk, welches Heller unter den Hand-