Vom Alter der Oclmcilercy. 449
Eine umständliche Beschreibung derselben, und eine genaueAnzeige des Inhalts, ist zu gegenwärtiger Absicht nicht nöthig.Ich ertheile sie an einem andern Orte, und schränke mich hierblos auf den einzigen nothwendigen Punkt ein: auf die nähereBestimmung des eigentlichen Alters meines Schriftstellers, vondem ich nur noch, ohne allen Beweis einstießen lassen, daß erzu der mittlern Zeit gehöre.
Daß Cornelius Agrippa ihn anführet, will noch nicht vielsagen. Agrippa ist hundert Zahre junger, als Johann vonEyck: und folglich könnte auch Thcophilus nach diesem gelebtund geschrieben haben.
Etwas älter würde ihn dieses machen, daß ihn auch dasI^imvn -mim!« anführe: wenn es schlechterdings unwidcrsprcch-lich wäre, daß es ihn anführte, (n) und der darinn vorkom-mende Thcophilus nicht eben sowohl ein anderer, als unserThcophilus, seyn könnte.
Was also keine Zeugen für ihn aussagen können, müssenwir von ihm selbst zu erfahren, oder aus der äusser« Beschaf-fenheit der vorhandenen Handschriften zu folgern suchen.
Auf diese mm aber darf man nur einen Blick fallen lassen,und die Sache ist so weit entschieden, daß, wenn es wahr ist,daß in ihnen der Oclmalcrcy auf eine unwidcrsprcchliche Artgedacht wird, nicht weiter daran zu denken stehet, die Erfin-dung derselben einem Künstler des fünfzehnten Jahrhundertszuzuschreiben.
Denn schon die jüngere, welche die Paulincr Bibliothek zuLeipzig aufbewahret, ist, wo nicht aus dem drcyzchntcn, dochsicherlich aus dem vierzehnten Jahrhunderte (o).
Die unsrigc hingegen ist weit älter, und man darf nurwenig sich auf dergleichen Dinge verstehen, um ihr ohne Be-denken ein Alter von sieben bis acht hundert Jahren zu geben.Sie hat alle Merkmale, welche der schwierigste Kenner vonHandschriften des zehnten oder cilftcn Jahrhunderts nur immerverlangen kann (n).
In dem Werke selbst hat der Bcrfasser zwar nichts cinflicsscnlassen, was die Zeit, in der cr gelebt, ausdrücklich bestimme.Aber doch ist auch alles und jedes, was nur einigermassen sich
LesNngs Werk- ix, 29