Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
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Vom Alter der Oelmalcrey,

dahin ziehen läßt, so wenig dem angegebnen Alter unsrer Hand-schrift zuwider, daß es vielmehr einzig und allein von einemKlosterbruder des neunten Jahrhunderts herkommen zu könne»scheinet; als in welchem die Mönche sich noch so gern mit nütz-lichen Handarbeiten beschäftigten, und alles selbst anzugeben undzu machen verstanden, was an und in ihren Gebäuden Noth-durft und Zierde crfodcrtcn.

Daß Thcophilns ein Deutscher gewesen, davon schmeichleich nur, nicht undeutliche Spuren bemerkt zu haben. Da ichmich also auch unter den Deutschen seines Schlages, und imneunten Jahrhunderte, nach ihm umsähe: so mußte ja wohlTutilo zu St. Gallen meine Aufmerksamkeit vornehmlich aufsich ziehen.

Und wie, wenn eben dieser Tutilo unser Thcophilus wäre? (q)Wenigstens bedeuten Tutilo und ThcophiluS völlig das nehm-liche: Tutilo ist nichts als das deutsche Thcophilus; oderThcophilus nichts, als das Griechische Turilo.

III.

Aoch es sey mit dieser Vermuthung, wie es wolle. Die Sachekömmt nicht darauf an, daß ein unbekannter Schriftsteller, denich für den Tutilo des neunten Jahrhunderts Halle, der Oel-malcrey gedenkt, sondern daß ihrer in einer Handschrift gedachtwird, die schlechterdings wenigstens aus dem cilfteu Jahrhun-derte seyn muß; mag diese Handschrift doch zum Urheber haben,wen sie will.

Aber warum sage ich, daß der Oelmalcrey darinn gedachtwird? Die Oelmalcrey wird darinn gelehrt; bis auf die Be-reitung des Oelcs selbst gelehrt. In dem crstcn Buche nehm-lich , welches ganz von der Malerey, und von vcrschiedncn Far-ben, Firnissen und Leimen handelt; und woraus ich nunmehrhiehcr gehörige Stellen nur treulich mitzutheilen brauche.

Die erste also sey das 48« Kapitel, dessen blosse Ausschrift,von Rothanstreichung der Thüren und dem L-einole, schonmehr vermuthen läßt, als man in einem so alten Tröster, demgemeinen Wahne nach, suchen sollte.