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Anti-Goeze. Erster.
setze hinzu: so war es Luthcrn noch weniger erlaubt. DennLuther , als er die Bibel zu übersetzen unternahm, arbeiteteeigenmächtig gegen eine von der Kirche angenommene Wahr-heit: nehmlich gegen die, daß es besser sey, wenn die Bibelvon dem gemeinen Manne in seiner Sprache nicht gelesen werde.Den Ungrund dieses von seiner Kirche für wahr angenommenenSatzes mußte er erst erweisen; er mußte die Wahrheit des Ge-gensatzes erst erfechten; er mußte sie als schon erfochten voraus-setzen: ehe er sich an seine Übersetzung machen konnte. Dasalles braucht ein itzigcr protestantischer Ucbcrsctzcr nicht; dieHände sind ihm durch seine Kirche weniger gebunden, die esfür einen Grundsatz annimmt, daß der gemeine Mann die Bi-bel in seiner Sprache lesen dürfe, lesen müsse, nicht genug le-sen könne. Er thut also etwas, was ihm niemand streitigmacht, daß er es thun könne: anstatt daß Luther etwas that,wobey es noch sehr streitig war, ob er es thun dürfe. — Dasist ja sonnenklar. — Kurz, BahrStens, oder eines andern Ztzt-lebcnden, Uebcrsctzung verdammen, heißt der Lnthcrschcn Ucbcr-sctzung den Proceß machen; wenn jene auch noch so sehr vondieser abgehen. Luthers Übersetzung ging von den damals an-genommenen Übersetzungen auch ab; und mehr oder weniger,darauf kömmt nichts an.
Der wahre Lutheraner will nicht bey Luthers Schriften, erwill bey Luthers Geiste geschützt seyn; und Luthers Geist er-fodert schlechterdings, daß man keinen Menschen, in der Er-kenntniß der Wahrheit nach seinem eigenen Gutdünken fortzu-gehen, hindern muß. Aber man hindert alle daran, wenn manauch nur Einem verbieten will, seinen Fortgang in der Erkennt-niß andern mitzutheilen. Denn ohne diese Mittheilung im Ein-zeln, ist kein Fortgang im Ganzen möglich.
Herr Pastor, wenn Sie es dahin bringen, daß unsere Lu-thcrschcn Pastorcs unsere Päbstc werden; — daß diese unsvorschreiben können, wo wir aufhören sollen, in der Schrift zuforschen; — daß diese unscrm Forschen, der Mittheilung unsersErforschten, Schranken setzen dürfen: so bin ich der erste, derdie Päbstchcn wieder mit dem Pabste vertauscht. — Hoffent-lich werden mehrere so entschlossen denken, wenn gleich nicht