Antiquarischer Briefe ein und vierzigster.
131
Das alles sind bekannte Dinge! Können sie aber wohlHr. Klotzen bekannt seyn, wenn er uns weiß machen will, daßsich die alten Künstler durch das Schildförmige von dem Zwangebefreiet, den ihnen der enge Raum des Steines anlegte, unddaß sie das Räumlichcrc der schildförmigen Fläche darzu genutzt,um die vom Leibe abstehende Theile der Arme uud Beine ohneVerkürzung heraus zu bringen? Auch diese Theile müssen imAbdrucke so heraustreten, als ob sie gänzlich aus dem Vollengearbeitet wären, und sie würden sehr krüpplig erscheinen, wennman ihnen im geringsten anmerkte, daß sie sich auf ciucr con-caven Flächc herumzögen. Die Ncrkürzungcu, die sich der Stein-schneider auf der schildförmigen Flächc zu ersparen weiß, kanner sich cbcn sowohl auf der platten ersparen: der Unterschied desRaums zwischen dieser platten und dieser schildförmigen Flächcvon gleicher Peripherie, kann ihm dazu nichts helfen.
Hr. Klotz fährt fort: „Jene schildförmig gcschliffenc Stcinc„waren zur Abwechslung in dem mehr oder weniger Erhabnem„bequem. Wir haben vortreffliche Stcinc von dicscr Art, die„wir nicht genug bewundern können."
Das soll doch wohl ein zweyter Nutzen seyn, den Hr.Klotz den geschnittenen Steinen beylegt? Als dicscr hätte esdie Deutlichkeit erfordert, ihn mit dem Vorhergehenden durchein Auch zu verbinden. Doch was Deutlichkeit? Die wollteich ihm gern erlassen, wenn denn nur Wahrheit zum Grundeläge, die es der Mühe lohnte, aus seiner verworrenen Schreib-art heraus zu sitzen.
Also fand der alte Künstler auf dem schildförmigen Stcincnicht allein mehr Platz, sondern er war ihm auch „zur Ab-wechslung in dem mehr oder weniger Erhabnem bequem!"Nur der schildförmige hierzu bequem? Das versteh ich nicht.Sind denn die flachen Srcine nicht auch dazu bequem? Zeigendcnn dic Werke der neuen Künstler, die in flache Stcinc arbei-ten, keine Abwechslung in dem mehr oder weniger Erhabnen?Oder soll bequem hier nur so viel hcisscn, als bequemer?Aber wie dcnn, warum denn bequemer? —
O, lassen Sie uns weiter gehen, mein Freund, damit ichgelegentlich auf etwas komme, das erörtert zu werden verdienet.
9«