Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
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Andreas Scultclus.

nehme Art. Nicht zwar, als ob mir gar nichts von Schwulstin einem Gedicht, welches so abcnthcucrlich angekündiget ward,aufgcsiosscn wäre. Aber ich fand doch weit mehr wahres Er-habene, als Schwulst. Auch schrieb ich mir es von Wort zuWort ab: und ich habe es nach der Zeit so oft gelesen, so oftvorgelesen, mir es so oft vorlesen lassen, daß ich jede gute Zeiledarinn getreulich aus dem Gedächtnisse wieder herstellen konnte,wenn die wenigen Abdrücke, die vielleicht noch in dem oderjenem Winkel stecken, mit sammt meiner Abschrift, alle auf ein-mal verschwanden.

Gleich der Anfang überraschte mich ausscrordentlich: und wasmich damals überraschte, gefällt mir noch immer.Laß, Zebaoth, in mir das kalte Herze brennen:Dich, HErr, kann ohne dich kein Mnttermcnsch erkennen.Du pfropfest in die Brust der Sinne Wunderkraft,Die uns zu Menschen macht- du Pflanzest Wissenschaft,Die uns in Götter kehrt. Ich nähre schlechte Gaben:Doch mein Vermögen ist, Vermögen wollen haben.Trägt meine Sinngeburth nur keinen Spott davon,So schätz ich mich berühmt. Des Welterlcnchters Thron,

sein strahlumzirktes LichtVerschmäht den Mittelpunkt, ihn auszuwirken, nicht,Zeucht Wasser auch empor: so brechen schlechte LeuteZu Zeiten auch heraus. Wohl gut, so höre heuteSee, Himmel, Erd und Luft, was immer hören kann,Das höre mich geneigt, mich Ostcrsäugcrn an.Der wahre Ton des Opitz, wo er am meisten Opitz ist! DieGedanken richtig, edel und neu: der Ausdruck leicht und dochstark, gewählt und doch natürlich.

Zn dieser so demüthigen als zuversichtlichen Anrufung, kün-diget der Dichter seinen Vorwurf mit einem einzigen Worte an:mich Ostersönger! Wozu auch deren mehr? Und so mit eins,voll von den Wundern und den seligen Folgen des großen Ta-ges, den er besingt, ist er mitten in dem Lobe desselben. Ervergleicht ihn mit andern berühmten Tagen, welche seit demschrecklichen Tage,