Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
298
Einzelbild herunterladen
 

298

Andreas Scultctus.

Herr Christ, du Lebensbaum, der alle Menschen speist,Wie hast du dich dieß OrtS so wunderbar beweist?Du sollst zur Schädelstätt noch deine Seele bringen,Und hebst mit Todesangst so zeitlich an zu ringen SO Werk, in welchem mir zu grübeln nicht gebührt,Doch das, eracht ich, Herr, von deiner Liebe rührt.Durch welcher Antrieb du natürlich sterben sollen,Und mit dem Tode nicht natürlich ringen wollen!Ach was? ich irre weit. Dein Trauerkörper fangt.Bis daß er zwischen Erd und Himmel nachmals hangt,Hier zu erkalten an, durch welches lange SterbenDu, uns mit lleberfluß den Segen zu erwerben,Mein Bruder, vorgehabt. Noch eines wundert mich,Daß die gestirnte Burg vor deinen Seufzern flchIn Stücke nicht zertheilt! daß alle dein VerlangenUnd Abbitt in den Wind vergebens fortgegangen!Eottgenaturtcr Mensch, wie daß du sonder Sieg,Blutrünstig überschwitzt, den BetenSandachtkriegHinaus geführet hast« Warum wird deinen KlagenDer angelegte Sturm so grausam abgeschlagen?Was frag ich? haben sie doch überaus empört,Durch Aufstand sich zertrennt, und derowegen hörtDer WeltkreiSschöpfcr nicht. Die Menschheit will genesen,Hingegen kämpft in dir dein göttlich hohes Wesen,Verjagt, was menschlich ist, steht wider dich und flammtAus Rachgier lichterloh, reißt dich in Tod verdammtFür unsre Schulden hin. O unerhörte Sache!Du schüttest aus selbselbst, und leidest auch die Rache.Du sitzest, als ein Gott, dem Richter an der Hand,Und führest, als ein Mensch, des angeklagten Stand,O Davids Hinimelzweig! Ich weiß nicht, wo mein DenkenIn Obacht dieser Angst noch endlich hinzulenken.Hat, wenn die Menschheit dich mit Schrecken übereilt,Dir deine Gottnatur nicht wieder Kraft ertheilt?Ach nein! sie hat vielmehr mit neuen KummerSwogcnDie Geister, welche dich bewegten, überzogen.Ein Mensch beklagt sich auch, erbebt und winselt wohl,