Erfindung der Buchdruckerkunst. 163
§. 6S.
Durch Letzteres befleckte sich besonders die Stadt Haar-lem , die sich nicht scheute ihre Verlänmdung und Anmaßungauf eine blose Sage, die einem alten holländischen Arzte nacherzählt, ohne irgend einen historischen Beweis, das Geprägeeiner offenbaren Luge an der Stirne trägt. Der Urheber desMährchcns war Adrian Jnnius — holl. Jonghe, — der1611 zu Horn in Westfriesland geboren, lange zu Haarlem die Arzneiknnst ausübte,, sich während des spanischen Kriegesnach Seeland zurückzog nnd am löten Jnni 1575 im 64stenJähre seines Alters zu Middelburg starb. Fünf Monate vorseinein Tode hatte er seine in lateinischer Sprache verfaßteBeschreibung von Holland beendigt, die aber erst dreizehnJahre nach seinem Tode, i. I. 1588 in der PlantinischenOffizin zu Levden im Drucke erschien. In diesem Bnche er-zählt er nun: — vor hundert acht und zwanzig Jahren, alsovon 1575, an rückwärts, i. I. 1447, habe zu Haarlem ineinem sehr schönen Hause auf dem Markte, dem königlichenPallaste gegenüber, Lorenz, Sohn von Johann ge-wohnt, welcher den Beinamen Küster von sci.ier Familiegeführt, die dieses einträgliche Ehrenamt (!!!) erblich an sichgebracht hätten. Dieser habe einst auf einem Spaziergangcin einem nahe gelegenen Gcbölze zu seiner Unterhaltung ausBuchen rinde einige Buchstaben geschnitten, mit denen ernachher, als er sich ihrer verkehrt geschnitten, wie eines Pctt-schasts bedient, einige Zeilen gedruckt, um den Enkeln seinesSchwiegersohnes zu einer Vorschrift zu dienen. Als ein er-findsamer Kopf sey er dadurch auf höhere Ideen gekommenund habe mit. seinem Schwiegersohne Thomas, Sohn vonPeter, zuerst eine dickere und haltbarere Dinte erfunden,hierauf ganze Blätter mit Bildern gedruckt, welchen er Schrift-sätze beigefügt. Das erste in der Muttersprache von ihm ge-druckte, von einem unbekannten Verfasser geschriebene Buchhabe den Titel: der Spiegel unsers Heils geführt.
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