DIE KUNST IM ALPHABET.
Unter zwei Bedingungen mag es dem Künstlererlaubt sein, sich am Alphabete zu versuchen. Waser auch thut, es soll, in erster Linie, das Lesenleichter und, in zweiter Linie, die Schrift für dasAuge angenehm machen. Aber keines dieser beidenerstrebenswerthen Ziele dürfte auf Kosten des andernverfolgt werden.
Um das Lesen zu erleichtern, muss man dasCharakteristische im Buchstaben erkennen, das ihmEigenthümliche entwickeln, und kürzen oder ab-schneiden, was dazu dienen kann, ihn mit einemandern zu verwechseln. Kurz, man muss die Indi-vidualität jedes individuellen Buchstabens hervor-heben und ihn unverkennbar machen. Und wes-halb sollte das Lesen nicht ebenso angenehm wieleicht gemacht werden? Schönheit ist erstrebens-werth. Natürlich darf sie den Gebrauchswerth nichtbeeinträchtigen. Aber warum auch ? Die Schönheiterfordert nicht nothwendig Beiwerk oder Ornament.Im Gegentheil, Einfachheit und Charakter und dieWürde, welche von ihnen ausgeht, sind ebenso imInteresse der Brauchbarkeit wie der Kunst zu fordern.