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Die Kunst im Alphabet.
späteren Gestaltung als lombardische Versalien (42)bezeichnen.
Es giebt eine gebrochene Art der lombardischenMinuskel — „Lombard brisée" nennen sie dieFranzosen — die, obwohl nicht eigentlich schön,doch als Vorläuferin der gothischen Minuskelinteressant ist.
Die heutige römische Minuskel erhielten wirmehr oder weniger direkt von Karl dem Grossen.Er glaubte — vielleicht sagte es ihm auch sein Freund,der Papst — ζ. Z. da er auf den Thron kam (800),die Schrift in einem Grade entartet, welcher einesmächtigen Herrschers unwürdig wäre. So befahl erihre Umgestaltung. Er ging so weit, Bischöfe und an-dere hervorragende Personen, welche nicht ordentlichschreiben konnten, zu zwingen, ausgebildete Schreiberin Dienst zu nehmen. Auf diese Weise belebteer die kleine römische Schrift wieder , welcheschliesslich in der Drucktype zur überwiegendenGeltung kam.
Den Schreibern Karls und einiger Zeitnach ihm gelang es nicht, sonderlich befriedigendeVersalien zu gestalten. Sie vermischten noch Buch-Stäben von gleichmässiger Stärke mit anderen, beiwelchen dicke und dünne Striche oder solche vonabnehmender Stärke in höchst unlogischer und un-geschickter Weise (33) angewendet waren — dasZeichen einer Uebergangsperiode natürlich. Dochsie brachten es zu einer annehmbaren und sehr