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Die Kunst im Alphabet.
welcher ihre Kenntniss verbreitete. Die Ziffern, wiewir sie kennen oder auch nur, wie sie im 15. Jahr-hundert geschrieben wurden, haben keine ausge-sprochene Aehnlichkeit mit den eigentlich arabischen;ι und 9 sowie die allmächtige Ο sind die einzigenZeichen, welche direct orientalische Abstammungzu verrathen scheinen.
Die Zeichen des 1 Z. Jahrhunderts sind nichtimmer auf den ersten Blick leicht lesbar; die 7 ζ. B.(150) zeigt nur eine allgemeine Aehnlichkeit, aberdie Prüfung ergiebt, dass das umgekehrte V einegleichmässig gegliederte 7 ist, welche (wie es beimFallen geschehen würde) auf ihre beiden Enden ge-stellt ist: nicht das Zeichen, nur die Stellung istanders. Viel räthselhafter erscheint die frühe Formder 4 (150, 151, 152), eine Schlinge mit gekreuztenEnden, auf denen sie steht. Die populäre Auslegungdes Zeichens als „halber 8" ist einigermaassen über-zeugend und es scheint kein Urbild aus dem Orientzu haben. Eine Version aus dem 17. Jahrhundertin der Franziskanerkirche zu Rothenburg (165) würde,wenn sie früher wäre, eine befriedigende Erklärungergeben. Da hat die Schlinge ein gerade abge-schnittenes Ende und die Figur ruht nicht auf ihrenbeiden offenen Enden, sondern theilweise auf derSpitze. Denkt man sich die Figur aufrecht stehend,eine Spitze auf der linken Seite, so erscheint siewie eine 4 von ganz gewöhnlicher Form. Es magdas nicht die Genesis der Form sein; aber wenn