Die Kunst im Alphabet.
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nicht, so ist sie von den Steinmetzen des 17. Jahr-Hunderts geistreich gedacht.
Schreibende haben immer von AbkürzungenGebrauch gemacht, der Schnellschreiber, um Zeitund Mühe zu sparen, der Schönschreiber, Bildhauerund Künstler im Allgemeinen, um das Aussehendes Werks ihrer Hände zu vervollkommnen, in vielenFällen auch, um es dem Raume anzupassen, mitdem sie zu rechnen hatten. Das Ziel der Kunst\vird nicht erreicht durch blosses Zusammendrängender Buchstaben oder dadurch, dass man ihnen eineGestalt giebt, welche es dem Schreibenden ermöglicht,sie alle in eine gegebene Linie (101) zu bringen.Wir haben die Uebung der Abkürzung aufgegeben,ausser bei Diphthongen und ausnahmsweise bei demWorte „et" (und). Das Und-Zeichen (148, 149) findetsich noch in den Schrift-Garnituren des Druckersund wird fast noch mehr von dem einfachenMann der Feder gewohnheitsmäßig angewandt.
Wozu führt nun all' diese Erforschung des AI-phabets? Es hat keinen Sinn, ganz neue Schriften ausuns heraus schaffen zu wollen: Niemand würde unsverstehen und wir wollen doch gelesen sein. Grigi-nalität erstreben wir alle; aber sie darf nicht mitBewusstsein gesucht werden, am wenigsten in derSchrift; sie kommt von selbst, wenn sie überhauptkommt. Wir sind originell oder sind es nicht.
So lange das Alphapet lebt, werden Aende-rungen vorkommen, aber es müssen unvermeidlich