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Die Weiterbildung der Kant'schen Aprioritätslehre bis zur Gegenwart : ein Beitrag zur Geschichte der Erkenntnistheorie / Rudolf Eisler
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dasselbe auf uns wirken läfst, obzwar doch nach ihm dieCausalität nur eine empirische Gültigkeit hat, wendet sichLiebmann energisch und bezeichnet das Ding an sich alsein »Unding«, da es absolut keinen Inhalt hat. 1 ) Er kommtzu dem Schlufsergebnis, als zu einer mindestens statthaftenHypothese, dafs: »Unsere Intelligenz von höchsten Gesetzenbeherrscht wird, denen sowohl unsere intellektuale Imagination,als unsere Wahrnehmungserkenntnis gehorcht, aus denen diemehrgenannten Grundwahrheiten hervorgehen und welchendie empirische Wirklichkeit aus dem Grunde unweigerlichentspricht, weil sie eben nur ein Phänomen innerhalb unsererwahrnehmenden Intelligenz und daher den Gesetzen derselbenunterworfen ist.« 2 )

16. Hermann Cohen .

Cohen unternimmt es, die Aprioritätslehre Kant's inihrer historischen Gestalt neu zu begründen und sie gegendie mannigfachen Angriffe, die sie erfahren, zu verteidigen.Die Wurzel aller Irrtümer und aller Mifsverständnisse in derKant'schen Lehre liegt nach ihm in der beständigen Ver-wechselung und Komplikation des Apriorischen mit demAngeborenen und in der Auffassung desselben als psycho-logisches Prius. Cohen dagegen behauptet und sucht dieBehauptung auch durchzuführen, das Apriori sei reinlogisch und n u r logisch aufzufassen. 8 ) Nicht dieGegenstände der Erkenntnis, seien es nun Anschauungenoder Begriffe, sind apriorisch, sondern die Erkenntnisart,mittelst welcher man zu ihnen gelangt; 4 ) die Aprioritätkommt einzig und allein dem wissenschaftlichen Verfahren

') Kant und die Epigonen, 1865. S. 45, 52, 64.

2 ) Zur Analys. d. Wirkl. S. 238.

3 ) 1. c. S. 143: »Das Apriori, in der Einheit des Bewufstseinsgegründet, ist so wenig subjektiv, dafs es vielmehr alle Objektivitätseinerseits bedingt und ermöglicht.«

4 ) Kants Theorie der Erfahrung, 2. A. 1885. S. 135.