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wissen Punkten ungestört fortschreitet, bei allen Menschennotwendig die gleichen Formen entstehen müssen. Alsonicht die Anschauungs- und Denkformen sind ursprünglich,sondern nur die Bedingungen derselben, die ganz andererArt sind als die Formen selbst. J ) Die Kategorien schlummernnicht in uns als apriorische Formen, sondern sie entwickelnsich aus den Gesetzen unseres Bewufstseins, als deren un-mittelbare Offenbarungen sie uns ebenso wie die Anschauungs-formen durch innere Erfahrung bewufst werden. 2 )
Durch die Begriffe, welche durch gegenseitige Anziehungähnlicher Vorstellungen entstehen, wird der Wahrnehmungs-inhalt verarbeitet, derart, dafs das Wechselnde und ver-schiedenartig Gegebene als subjektives ausgeschieden unddas im Wechsel sich gleichbleibende als objektiv zurück-gehalten wird. 8 ) Niemals aber vermag das Denken einenVorstellungsinhalt zu erschaffen. Dass wir bei Bearbeitungdes Gegebenen durch das Denken Neues erhalten, ist einbestimmtes Zeichen dafür, dafs Denken und Sein nichtidentisch sind und dafs nur zwischen den logischen Formenund den Formen des Seins eine Parallelität besteht. 4 ) UnsereErkenntnis ist nur eine relative, indem wir alles in der Weltnur von unserem beschränkten Standpunkte aus auffassen.Nur von uns selbst, von unseren geistigen Grundformen und-Verhältnissen haben wir eine adäquate, die Dinge an sichtreffende Erkenntnis, dagegen ergiebt die Kenntnis derobjektiven Welt nur eine Welt der Erscheinung. 5 )
Überweg erblickt den Kernpunkt seines Gegensatzes zuKant in dem von ihm durchgeführten Nachweis, »dafs die
l ) 1. c. S. 283.
■) 1. c. S. 35-36.
») 1. c. S. 197—98.
*) 1 c. S. 199.
6 ) 1. c. S. 288.