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Die Weiterbildung der Kant'schen Aprioritätslehre bis zur Gegenwart : ein Beitrag zur Geschichte der Erkenntnistheorie / Rudolf Eisler
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wissenschaftliche Erkenntnis nicht mittelst apriorischerFormen V on rein subjektivem Ursprünge gewonnen wird,noch, wie Hegel u. a. meinen, durch apriorische und zugleichobjektiv gültige Formen, sondern durch die Kombinationder Erfahrungsthatsachen nach logischen, durch die objektiveOrdnung der Dinge selbst mitbedingten Normen, deren Be-folgung unserer Erkenntnis eine objektive Gültigkeit sichert.« J )Zwei Faktoren sind in aller Erkenntnis zu unterscheiden :erstens ein subjektiver, bestehend in dem Wesen und denGesetzen des erkennenden Bewufstseins und zweitens dieBeschaffenheit des zu Erkennenden. -) Diese Unterscheidungsubjektiver und objektiver Faktoren, hat aber mit der vonKant eingeführten nichts gemein. Die Aprioritätslehre beruhtauf folgendem Fehlschlüsse :

Die Apodiktizität ist apriorisch.

Das Apriorische ist blos subjektiv.

Folglich ist die Apodiktizität blos subjektiv.

In diesem Schlüsse ist nach Überweg die erste Prämissefalsch, da die Apodiktizität unserer Erkenntnis erst dasResultat der Kombination vieler Erfahrungen ist. 3 )

Auch die einzelnen Ausführungen der Aprioritätslehresind nach Überweg unsicher und widerspruchsvoll. Raumund Zeit sollen nach Kant auch in ihrer jedesmaligen Be-stimmtheit blos subjektiv entspringen, andererseits soll allesEinzelne und Spezielle empirisch gegeben sein. Es mufsdaher im Gegensatz zu Kant angenommen werden, dafs dieAnschauungsformen nicht nur subjektiver Natur sind, sonderndafs sich in ihnen die eigene räumlich-zeitliche Ordnung derDinge darstellt. 4 ) »Unsere Vorstellung von räumlichenDingen und ihren Bewegungen ist das Resultat einer solchenOrganisation unserer Empfindungsanlagen, welche die Har-

') System der Logik, 4. A. 1874. Vorr. VI.«) 1. c. S. 2.8 ) 1. c. S. 46.J ) 1. c. S. 85.