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Handelspolitik : Vorträge gehalten in Hamburg im Winter 1900/01 im Auftrag der Hamburgischen Oberschulbehörde / von Karl Helfferich
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denn was mich betrifft, kann ich nur sagen: .V«u» i>röeüe2 s, uueouverti^ und ich thue ohnehin was ich kann. Ich habe auf dieTarifkommission soviel ich konnte eingewirkt, um die Landwirtschaftpari Mssu mit der Industrie zu halten, in dieser Beziehung abernoch eher Anklang bei den Industriellen gefunden, als bei den Mini-sterien, nach deren Instruktion die Kommissionsmitglieder abstimmten.Ich verharre in diesem Bestreben, bedarf aber auf dem amtlichen undpublizistischen Gebiet einer stärkeren und praktischeren Unterstützung,als ich sie bisher erfahren habe."

Kein Wunder, wenn unter solchen Verhältnissen und bei dersystematischen Aufreizung der privaten Interessen die Kämpfe um dieTarifreform die schlimmsten Formen annahmen. Wenn früher dieRücksichtnahme auf das Gemeinwohl die selbstverständliche Forderungwar, die an jeden gestellt wurde, der an der Gesetzgebung mitzuarbeitenberufen war, so wurde jetzt die rücksichtslose Geltendmachung der pri-vaten Interessen förmlich herausgefordert und öffentlich belobt. Beidem ungeheueren Ansehen des Reichskanzlers und bei der Stärke derInteressen an der Tarifreform war jeder Widerstand von freihänd-lerischcr Seite von vornherein aussichtslos. Bismarck verteidigte denneuen Tarif als sein ureigenstes Werk mit der größten Energie. Jedenprinzipiellen Widerspruch sah er geradezu als eine persönliche Kränkungan, und Leute, mit denen er bei der Begründung des Reichs zusammengearbeitet hatte und die für seine große nationale Politik den Bodenim Volk vorbereitet und ihre Durchführung auf das lebhafteste unter-stützt hatten, Leute wie Lasker, Bamberger, Forckenbeck und anderebrüskierte er wegen ihres Widerstandes gegen das Tarifgcsetz in einerWeise, durch die für die Zukunft alle Brücken abgebrochen wurden.

Die ganze erste Hälfte des Jahres 1879 stand unter dem Zeichendes Tarifgesetzes. Fast mehr noch als auf der offenen Bühne desReichstags und der Jnteressentenversammlungen wurde hinter denCoulissen gearbeitet, um das schwierige Werk der Einigung zwischenden verschiedenen schutzzöllnerischen Gruppen zu stände zu bringenund um eine möglichst große Majorität für das Tarifgesetz zu er-zielen. Es soll zeitweise in den Wandelgängen des Reichstags her-gegangen sein, wie auf einer Börse. Zölle wurden freigebig aus-geteilt, um möglichst viele Interessenten sür das ganze Gesetz zu ge-winnen; die Zustimmung der einzelnen Gruppen zu einem sie nichtberührenden Zoll wurde erkauft durch die Gewährung eines neuen