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Zolls oder einer Zollerhöhung, die der betr. Gruppe zu gute kommensollte. Auf diese Weise gelang es vor allem, denjenigen Teil derAgrarier, der den Eisenzöllen noch immer abgeneigt war, durch eineErhöhung des vorgeschlagenen Roggenzolls zufrieden zu stellen. DieRegierungsvorlage schlug einen Roheisenzoll vor von 1 Mk, pro 100 k^,den Satz, der von 1868 bis 1870 in Geltung gewesen war, während von1870 bis 1873 der Zoll nur 50 Pf. betragen hatte. Andrerseits ent-hielt die Regierungsvorlage zwar einen Weizenzoll von 1 Mk. proDoppelzentner, aber daneben einen Roggcnzoll von nur 50 Pf. EinTeil der Agrarier, unter Führung des Abg. v. Wedell-Malchow, ver-langte eine Herabsetzung des Eisenzolls auf 50 Pf., während um-gekehrt ein Antrag v. Mirbach die Erhöhung des Roggcnzolls auf1 Mk. verlangte. In der dritten Lesung einigte man sich schließlichdahin, daß die Eiscnprodnzenten ihren Zoll ungeschmälert behieltenund daß die östlichen Grundbesitzer dafür den Einmarkzoll für Roggenbekamen ^.
Am 12. Juli 1879 wurde das Tarifgesetz in dritter Lesungmit nahezu Zweidrittcl-Majorität, mit 217 von 336 Stimmen, an-genommen. Am 15. Juli 1879 wurde das Gesetz publiziert.
Seine wichtigsten Neuerungen waren folgende:
In erster Reihe standen die bei den Beratungen im Reichstagund bei den Diskussionen in der Öffentlichkeit am meisten umstrittenenGetrcidezölle, 1 Mk. pro Doppelzentner auf Weizen, Roggen undHafer, 50 Pf. auf die übrigen Sorten. Ferner brachte der neue TarifZölle auf Bau- und Nutzholz, auf Vieh, Fleisch und tierische Produkte.Von den Jndustriezöllen standen im Vordergrund die Zölle auf Eisenund Eisenwaren. Einen gesteigerten Zollschutz erhielt ferner die Textil-industrie. Die Zölle auf Garne und Gewebe wurden nach der Fein-heit der betr. Artikel abgestuft und gegenüber den bisherigen Sätzensoweit erhöht, daß sie für gebleichte und gefärbte Baumwollgarne derfeinsten Nummern bis zu 48 Mk. pro Doppelzentner betrugen, gegen12 Mk. vor 1879. Auch die übrigen Industriezweige, welche der imwesentlichen aus der Eisen- und Spinnerei-Industrie hervorgegangenenschutzzöllnerischen Bewegung Vorschub geleistet hatten, erhielten teilsneue Zölle, teils Zollerhöhungen; so die Sodafabrikation, die Papier-fabrikation, die Glas- und Thonwarenindustrie, die Lederindustrie u. s. w.
- Vcrgl, Loh, a. a. O.. S. 170—173.