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Fabrikanten von Druckpapier verstanden, durch die Bildung einesSyndikats die Preise ihrer Erzeugnisse während der letzten Zeit be-trächtlich zu steigern.
Das Verhalten der Papierfabrikanten ist überaus charakteristischfür das Wesen und die Bedeutung der industriellen Schutzzölle in demgegenwärtigen Entwicklungsstadium der deutschen Volkswirtschaft,Diese Schutzzölle sind nicht mehr Erzichungszölle in dem Sinne, wiesie Friedrich List verlangt hat; denn die in Betracht kommenden In-dustrien sind ganz überwiegend der Konkurrenz des Auslandes vollaufgewachsen. Der fchutzzöllnerische Teil der deutschen Industrie umfaßtvielmehr zum großen Teil solche Industriezweige, in denen der Groß-betrieb vorherrscht und denen ein Schutzzoll in ganz besonderem Gradedie Möglichkeit giebt, durch Verabredungen oder durch förmliche Kar-telle und Syndikate den inländischen Verbrauchern die Preise diktierenzu können. Der Schutzzoll garantiert diesen Betrieben den inländischenAbsatz zu Preisen, die ihre Generalunkostcn decken und die ihnen soeinen Export zu wesentlich niedrigeren Preisen nach dem Auslande er-möglichen. Je höher der in dem Schutzzoll bestehende Damm gegen-über der ausländischen Konkurrenz ist, desto höher läßt sich dasNiveau der Inlandspreise aufstauen. Mehr noch als in Deutschland hat sich diese im nationalen Interesse sicherlich unerwünschte Wirkungin den Vereinigten Staaten unter dem Einfluß des dortigen Hoch-schutzzollshstems gezeigt.
Wie in den 70 er Jahren haben die industriellen Schutzzöllnerauch heute noch ihre wichtigste Vertretung in-dem einflußreichen Central-vcrband deutscher Industrieller. Der Centralvcrband begnügt sich nichtdamit, die schutzzöllnerischen Wünsche der Industrie zu befürworten,sondern er hält fest an dem Programm der Solidarität der protek-tionistischen Interessen. Es ist nur zu natürlich, daß er gegenüberetwaigen freihändlerischen Strömungen, welche die bestehenden Jndustrie-zölle bedrohen könnten, die aus dem Jahre 1879 stammende Bundes-genossenschaft mit den agrarischen Schutzzöllnern aufrecht zu erhaltensucht nnd daß er infolge dessen die agrarischen Wünsche zu unterstützengeneigt ist, freilich nur so weit, als dadurch nicht die vitalen Inter-essen der Industrie selbst gefährdet werden. In den Jahren 1892bis 1894 ist der Centralvcrband für die Handelsverträge eingetreten,obwohl sie die von den Agrariern so lebhaft bekämpfte Reduktion derlandwirtschaftlichen Zölle gebracht habeu. Im Hinblick auf den be-