Sie haben meinen Herrn Amtsvorgänger viele Jahre hindurchan der Arbeit gesehen, Sie kennen alle das vorbildliche Pflicht-gefühl und die treue Hingebung, die gesunde Klugheit und dievielersahrene Sachkenntnis, die den Staatssekretär Kühnauszeichneten.
Die Finanzierung der letzten Heeresvorlagen durch den Wehr-beitrag ist, wie wir alle wissen, in erster Reihe sein Werk. Erhat sich durch diese Tat seinen Platz in der deutschen Geschichtegesichert.
Die Gründe, die meinen Herrn Amtsvorgänger bewogen haben,die Würde seines Amtes niederzulegen, sind ein ehrenvolles Zeug-nis für seine peinliche Gewissenhaftigkeit. Er hat geglaubt —vielleicht zu Anrecht —, daß seine gesundheitlichen Kräfte dengroßen und schweren Anforderungen, die dem Leiter der Reichs-finanzen aus dem Kriege erstehen, nicht mehr voll gewachsen seien.Er hat daraus die Folgerung gezogen, daß es seine Pflicht gegu.über dem Vaterlande sei, das ihm in mehr als zwanzigjährigerTätigkeit liebgewordene Amt für einen Nachfolger freizumachen.
Meine Herren, das Vertrauen Seiner Majestät des Kaisershat mich zum Nachfolger des verdienten Mannes bestimmt. Siedürfen mir glauben, daß der Entschluß, das verantwortungsvolleAmt auf mich zu nehmen, mir nicht leicht geworden ist. Vormir sah ich und sehe ich ohne Unterlaß riesengroß die Aufgaben,die der Krieg, die der Friedensschluß und die schließlich die mili-tärische und wirtschaftliche Wiederherstellung für den Leiter derReichsfinanzen mit sich bringen. Aber ich fühlte auch, daß ichnicht das Recht hatte, in solcher Stunde klein zu sein und zuversagen. Das Soldatenherz, das in jeder deutschen Brust schlägt,sagte mir ein kategorisches „Du mußt!"
(Lebhafter Beifall.)
In diesem Geist, meine Herren, habe ich mein Amt über-nommen, und in diesem Geist will ich es führen. Was ich meinemKaiserlichen Herrn gelobt habe, was ich mir selbst versprochen6