Druckschrift 
[1] (1915) Reichstagsrede am 10. März
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

ist das alles überragende Bewußtsein unserer deutschen Lebens-und Kulturgemeinschaft, die alles umfassende Liebe zu unseremgroßen deutschen Vaterland.

(Lebhafter Beifall.)

And nun, meine Herren, lassen Sie mich etwas näher anden Gegenstand unserer heutigen Tagesordnung herankommen.Ich habe Ihnen den Haushaltsentwurf für das Rechnungsjahr1915 zu erläutern und zu begründen. Ich nehme an, daß esIhren Wünschen entspricht, wenn ich mich in meinen heutigenAusführungen nicht hierauf beschränke, zumal da zum Etat selbstnicht allzuviel zu sagen ist. Ich beabsichtige, Ihnen im Anschlußan die Etatsbegründung einen Überblick über die Entwicklung unddie Lage auf dem finanziellen Kriegsschauplatz zu geben, einenÜberblick sowohl über unsere eigenen Maßnahmen als auch überdie Maßnahmen unserer Feinde. Nur aus einem solchen Über-blick heraus glaube ich Ihnen die Notwendigkeit des im außer-ordentlichen Etat von uns angeforderten neuen Kriegskredits von10 Milliarden Mark näherbringen zu können.

Ich möchte hier aber auch gleich sagen, worüber ich nicht zusprechen gedenke: das ist mein finanzielles Programm fürdie Zukunft und zwar aus dem sehr einfachen Grunde: derSchelm gibt mehr, als er hatl Ein praktisches und praktikablesProgramm braucht einen festen Antergrund von Tatsachen. DieserAntergrund ist heute noch nicht da.

(Sehr richtig I)

Er wird erst durch den Ausgang des Krieges und durch die Be-dingungen des Friedensschlusses geschaffen werden. Ich hoffealso, Sie sind nicht enttäuscht, wenn ich das abwarten will.

Heute möchte ich Ihnen nur eins sagen: Ich werde an diegroßen Aufgaben, die in jedem Fall kommen werden, herantretenohne jede Befangenheit und unbeirrt durch Schul- und Partei-meinungen. Wir alle, meine Herren, werden wohl in manchenPunkten überkommene Anschauungen daraufhin prüfen müssen,ob sie gegenüber den Erfahrungen dieses Krieges und gegenüberden durch den Krieg geschaffenen neuen Problemen einer Revision

8