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[1] (1915) Reichstagsrede am 10. März
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zu schützen; und wir hatten auch schließlich nicht nötig, wie dieanderen kriegführenden Staaten und die meisten übrigen Länder,ein allgemeines Moratorium zu erlassen, das sehr viel leichter ein-geführt als wieder aus der Welt geschafft ist.

(Sehr richtig I)

Auch unser Staatskredit hat sich wesentlich besser gehaltenals derjenige Frankreichs und auch besser als derjenige Englands .Die dreiprozentige französische Rente ist seit Kriegsausbruch um12°/ und zeitweise über 15°/ zurückgegangen, unsere deutscheNeichsanleihe nur um 5^2°/<>. Auch die englischen Konsols habeneinen Rückgang erfahren um 7 °/«. Aber hier kommt in Betracht,daß die englische Negierung Minimalkurse dekretiert hat, die imfreien Verkehr zeitweise um 3°/o bis 4°/g unterschritten wordensein sollen.

Wenn Sie aber noch etwas zurückgehen und berücksichtigen,daß wir die ganze Periode von der Marokkokrisis über denTripoliskrieg und die Balkankriege bis zum jetzigen Weltkriegeschließlich als ein gemeinsames Ganzes ansehen müssen, wennSie also das Jahr 1910 für diese Betrachtung zum Ausgangs-punkt nehmen, so kommen Sie zu folgenden Zahlen:

Der Durchschnittskurs der französischen Rente im Jahre 1910war 98, derjenige der deutschen dreiprozentigen Reichsanleihe 84;die französischen Dreiprozentigen standen also um volle 14 "/o höherals die deutsche Reichsanleihe. And heute ist seit einiger Zeitdie französische dreiprozentige Rente unter den Kurs der deutschenNeichsanleihe heruntergegangen.

(ÄörtI hört!)

Der ganz kolossale Vorsprung der französischen Rente von 14°/ist also im Laufe von vier Iahren verloren gegangen zu unserenGunsten.

Lassen Sie mich nun in kurzen Zügen darstellen, wie diebisherige Finanzierung des Krieges bei Freund und Feind sichabgewickelt hat. Dazu muß ich zunächst ein Wort sagen überdie Kriegskosten bei den einzelnen Staaten. Äber unsereeigenen Kriegskosten sind Sie ungefähr im Bilde. Die näheren

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