Aber, meine Herren, so weit sind wir heute noch nicht. Nochwollen unsere Feinde nicht zugestehen, daß ihr Frevelmut sichübernommen hat, als er sich vermaß, uns mit Äberzahl undWaffengewalt niederzuzwingen; noch wiegen sie sich in dem Selbst-betrug, daß es ihnen gelingen könnte, uns durch Ermüdung undErschöpfung niederzuzwingen; noch sträuben sie sich, obwohl schwergetroffen, gegen den Gedanken, daß ihre Sache verspielt ist, daßdie vernünftige Abwägung aller Aussichten sie zwingen muß, denFehlschlag ihres Unternehmens einzugestehen, sür sich zu retten,was zu retten ist, und uns Sühne und Sicherheit für die Zukunftzu bieten.
Solange die Feinde sich nicht bequemen, aus unserer Anbesieg-barkeit und aus unseren Siegen die Folgerungen zu ziehen, sinddie Waffen unser einziges Mittel, ihn zu überzeugen;
(sehr richtig!)
so lange wollen und müssen wir weiterkämpfen und jedes Opferbringen, das der Krieg uns auferlegt.
Meine Herren, was nun die Aufbringung der Mittelanlangt, die Sie in dem Nachtragsetat bewilligen werden, so sollauch dieses Mal wieder der Weg der Anleihe beschritten werden.Ich hatte mir bereits im März erlaubt, hier an dieser Stelle aus-zuführen, welche Gründe die verbündeten Regierungen veranlassen,von der Einbringung von Kriegssteuern, solange es angängig ist,abzusehen. Diese Gründe bestehen heute noch fort. Wir wollenwährend des Krieges die gewaltigen Lasten, die unser Volk trägt,nicht durch Steuern erhöhen, solange hierfür keine zwingende Not-wendigkeit vorliegt. Eine stärkere Besteuerung des Verbrauchswürde bei den ohnedies hohen Preisen wohl ebensowenig hier undim Volk auf Gegenliebe stoßen wie eine stärkere Belastung desVerkehrs. Die direkten Steuern werden, ganz abgesehen von dergrundsätzlichen Frage, heute unter dem Zwange des Krieges vonden Kommunen und teilweise auch von den Einzelstaaten ohnediesschon in erhöhtem Maße herangezogen. Zu alledem kommt, daßwir im Wege der Besteuerung auch bei der stärksten Anspannunggegenüber den gewaltigen Kriegsausgaben, die ich Ihnen genannthabe, nur wenige Prozente des Kriegsbedarfs flüssig machenkönnten.
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