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2 (1915) Reichstagsrede am 20. Aug. u. 14. Dez.
Entstehung
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Drohung mit dem Kriegsrecht" gezwungen haben, uns ihre Depo-siten zum Zweck der Zeichnung auf die Kriegsanleihe auszuliefern.

(Heiterkeit.)

Der Verfasser setzt hinzu, er selbst habe die Nachricht anfangs nichtgeglaubt, aber die Erkundigungen, die er dann habe einziehen können,hätten diese ganz unglaubliche Geschichte voll und ganz bewahrheitet.Ich habe natürlich verhindert, daß die Zensur dem Vertrieb dieserSchrift irgendwelche Schwierigkeiten in den Weg legt,

(Heiterkeit und Zustimmung)obwohl ich eigentlich Grund gehabt hätte, mich gegenüber denHerren Engländern zu revanchieren. Ich habe im Juni einem ameri-kanischen Journalisten auf seinen Wunsch einige Bemerkungen überdie damals gerade bevorstehende englische Kriegsanleihe gemacht.Der Journalist hat meine Bemerkungen nach Newyork gekabelt;aber die englische Kabelzensur hat das Telegramm unterschlagen.

(Hört! hört!)

Es hat erst späterhin in Amerika brieflich das Licht der Welt er-blickt, und in England überhaupt nie.

Aber, meine Herren, nicht nur ein unbekannter Mister so und so,wie der Verfasser dieser Schrift, sondern die gesamte feindlichePresse bei unseren Gegnern und bei den Neutralen widmet sichmit einer Beharrlichkeit, die wirklich einer besseren Sache würdigwäre, dem Bestreben, uns finanziell totzusagen; und vor allem wirdimmer wieder darauf hingewiesen ich habe das letzte Mal hierschon darauf aufmerksam gemacht, daß unsere Anleihen nur eingroßer Bluff seien, daß sie ausschließlich finanziert seien durch unsereDarlehenskassen. Das ist aus der Welt und aus der feindlichenPresse nicht herauszukriegen! Der Pariser^emps" hat noch vorwenigen Tagen in einem Artikel, der zum Lobe der neuen fran-zösischen Anleihe geschrieben war, behauptet, daß nicht ein ein-ziger Deutscher, der auf die deutschenKriegsanleihen gezeichnet habe,vorhanden sei, der das Geld nicht der Darlehenskasse oder seinemBankier schulde.

(Große Heiterkeit.)Ähnliche Behauptungen sind vor einigen Wochen aufgestellt wordenvon dem englischen Handelsminister Mr. Runciman. Dies allesangesichts der Tatsache, daß der Gesamtbestand der Darlehens-kassen an Ausleihungen für Kriegsanleihe und andere Zwecke nuretwa 16W Millionen beträgt gegenüber 25^4 Milliarden Kriegs-

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