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2 (1915) Reichstagsrede am 20. Aug. u. 14. Dez.
Entstehung
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anleihen, und daß die für die Kriegsanleihen gewährten Dar-lehen insgesamt noch nicht einmal fünf Prozent der Einzahlungenbetragen.

Meine Herren, wenn ich auf diesen Punkt hier wieder zurück-komme, so geschieht es nicht etwa, um unsere Gegner zu belehren;das ist aussichtslos, das weiß ich.

(Sehr gut!)

Wen Gott verderben will, den schlägt er mit Blindheit!

(Sehr richtig! und Heiterkeit.)Von solchen sachlichen Richtigstellungen nimmt weder die feindlichePresse, noch nehmen davon die feindlichen Staatsmänner Notiz.Ich wiederhole diese Feststellungen hier nur, um Ihnen den Geistes-zustand nahezubringen, in dem sich die mit uns im Kriege liegendenVölker befinden,

(sehr gut!)

dank eines ebenso raffinierten wie gewissenlosen Systems der Täu-schung, von Regierungen und Presse im Verein in unverantwort-lichster Weise gehandhabt. Ich frage mich jeden Tag, wenn ich dieausländischen Zeitungen lese, ob es denn möglich ist, daß Arteil undVerstand durch die in diesem Kriege aufgewühlten Leidenschaften sofurchtbar getrübt werden, und ich nehme daraus Anlaß zu der Selbst-Prüfung, ob wir denn unsererseits bei der Beurteilung der Ver-hältnisse unserer Gegner ebenso in die Irre gehen wie die Gegnerbei der Beurteilung unserer Dinge. Aber ich glaube, der Deutscheist zu objektiv und zu gewissenhaft. Er neigt mehr nach der anderenSeite; er neigt mehr dazu, die Schwierigkeiten bei sich selbst zu Hausezu überschätzen,

(allgemeine Zustimmung)die Schwierigkeiten bei den anderen zu gering zu veranschlagen.

(Sehr richtig!)

Daß wir damit, meine Herren, nur allzuoft Wasser auf die feind-lichen Mühlen leiten, das steht für jeden, der die ausländische Presseverfolgt, außerhalb jeden Zweifels.

Nun, meine Herren, möchte ich in dem Geiste strenger, leiden-schaftsloser Prüfung hier vor Ihnen darlegen, wie die Kriegs -finanzverhältnisse in ihrer Gesamtheit, also auch beiunseren Feinden, sich gestaltet haben.

Ich will auch diesmal zunächst einen Überblick geben über diegesamten Kriegskosten aller kriegführenden Staaten.