Vom Dreibund zum Dreiverband
Verständnis für deutsches Wesen und deutsche Politikzu schaffen. Aber alle bei uns gelegentlich aufgetauchtenIdeen, als ob die Vereinigten Staaten für uns ein wirksamesGegengewicht gegen eine Bedrohung durch Großbritannienund seine Mächtegruppe werden könnten, gehörten in dasReich weltfremdester Phantasie. Für jeden Kenner ameri-kanischer Verhältnisse stand es fest, daß im Falle einerWeltkonflagration die Sympathien Amerikas, trotz desstarken deutsch-amerikanischen Einschlags, auf der Seiteder Westmächte sein würden, und daß wir für uns gün-stigstenfalls eine Neutralität ohne besonderes Wohlwollenerwarten dürften.
So war die Mächtegruppierung um das Jahr 1908 be-schaffen, zu der Zeit, als sich das große Verhängnis zu-sammenzuziehen begann. Die Ereignisse, die nun folg-ten — die bosnische Krisis von 1908/09, die Marokkokrisisvon 1911, der türkisch-italienische Krieg, die beiden Bal-kankriege —, sind die unmittelbaren Vorläufer des Welt-kriegs.
Während bei dem Abgang Bismarcks die / StellungDeutschlands unter den Großmächten über den Dreibundhinaus gesichert war durch den allerdings prekär gewor-denen RückVersicherungsvertrag mit Rußland und dasgute Verhältnis zu England, und während es dem aufRevanche sinnenden Frankreich damals noch nicht ge-lungen war, einen sicheren Bundesgenossen zu erlangen,
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