Vom Dreibund zum Dreiverband
in der Meinung, daß eine Diskussion der Abrüstungsfragemangels greifbarer Vorschläge und angesichts der in derSache liegenden Schwierigkeiten zu keinem praktischenErgebnis geführt hätte. Ich halte es darüber hinausfür wahrscheinlich, daß für England der Hintergedankebestimmend war, das Übergewicht seiner maritimenRüstung ein für allemal völkerrechtlich zu sichern undjede aufstrebende Seemacht, vor allem Deutschland, ohneweitere Anstrengung und ohne weitern Kostenaufwandniederzuhalten. Aber gerade deshalb wäre es wohl diebessere Taktik gewesen, den Engländern die Aufgabe desEormulierens von Vorschlägen, die nicht nur für Deutsch-land unannehmbar gewesen wären, zu überlassen, stattvon vornherein zu erklären: „An einer nach unsrer Über-zeugung wenn nicht bedenklichen so doch unpraktischenDiskussion können wir uns nicht beteiligen."*
In dasselbe Kapitel gehören die oft lauten und weithinklingenden Worte, mit denen wir es liebten, unsern Willenzum Frieden durch ein allzu deutliches Betonenunsrer Bereitschaft zum Krieg zu unterstreichen. Wirhatten den Wunsch, nicht wieder wie in vergangenenZeiten infolge unsrer geographischen Lage im ZentrumEuropas zum Schlachtfeld fremder Nationen zu werden,und wir hatten aus der Geschichte durch die Schaffungeiner starken Wehrmacht die Folgerung gezogen. Daswar berechtigt. Aber es war nicht klug, beständig „das
* Worte des Fürsten Bülow in seiner Reichstagsrede vom 30. April 1907.
36