Diplomatische Ungeschicklichkeiten; rednerische Entgleisungen
Schwert im Munde zu führen" und damit unsern Feindenim Ausland die Möglichkeit zu geben, das friedlichsteVolk und den friedlichsten Monarchen der Welt ihreröffentlichen Meinung als besessen vom Kriegsteufel hin-zustellen. Wir haben auf diese Weise den Mythus vonunsern kriegerischen Absichten gefördert und damit eineinternationale Stimmung erzeugen helfen, die einer gegenuns gerichteten Koalitionsbildung den massenpsycho-logischen Untergrund gegeben hat.
Aber eine die ganze Welt von Grund aus umkehrendeWandlung der Beziehungen zwischen den Völkern, wiesie in den zwei Jahrzehnten seit Bismarcks Abgang ein-getreten ist, wäre auch als Werk der vollendetsten Staats-kunst und politischer Schulung nicht möglich gewesen,wenn nicht starke Triebkräfte und Entwicklungstendenzeninnerhalb der einzelnen Völker den Boden für dieseWandlung geschaffen hätten.
Eine Betrachtung der in den wichtigsten der am Welt-krieg beteiligten Völker wirksamen Triebkräfte und Ent-wicklungstendenzen ergibt in großen Zügen folgendes Bild:
Das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn warenim wesentlichen politisch saturiert. In Europa hatten beideReiche keinerlei Wünsche auf Ausdehnung; ihr Ziel wardie Erhaltung des Status quo. Deutschlands koloniale Be-strebungen haben sich auf friedlichem Wege betätigt. Abge-sehen von der Niederwerfung gelegentlicher Eingeborenen-aufstände hat Deutschland um seine Kolonien keinen
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