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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Deutschland will keinen Krieg

Die deutsch-englische Verständigung unddie englisch-russische Marinekonvention

Angesichts des furchtbaren Abschlusses der mit soheißem Bemühen geführten Verständigungsverhandlungendrängt sich unausweichlich die Frage auf, ob diese Versuche,dem Weltfrieden durch die Ausschaltung vermeidbarerReibungen und durch die Einleitung friedlicher Zusammen-arbeit eine stärkere Grundlage zu geben, nicht schließlichnur Scheinmanöver gewesen sind, mit denen der eine Teilden andern hinhalten und über seine wahren Absichtentäuschen wollte. Die Folgerung liegt zu nahe, daß der Aus-bruch des Weltkriegs sich hätte verhindern lassen müssen,wenn der Wille zum Frieden, der doch schließlich alleinden Verhandlungen über die Ausräumung wichtiger Rei-bungspunkte einen Sinn und eine Berechtigung gebenkonnte, auf beiden Seiten echt war.

Nach meinen persönlichen Wahrnehmungen kann ichnur bekunden, daß auf der deutschen Seite alle maß-gebenden Stellen und Personen durchdrungen waren vondem ehrlichsten Willen, durch eine planmäßige Entlastungder politischen Beziehungen zwischen den europäischenVölkern die Kriegsgefahr einzudämmen und die Aussichtender Erhaltung des Friedens zu verbessern. Und ich glaubehinzufügen zu können, die leitenden politischen Persön-lichkeiten waren erfüllt von der guten Hoffnung, daßihr Bestreben von Erfolg gekrönt sein werde. Die

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