Die letzten Verständigungsversuche
Unterhaltung zwischen dem deutschen Reichskanzler unddem großbritannischen Botschafter in Berlin am Tage desEintritts Englands in den Krieg ist dafür ein Beleg.
Weniger klar und durchsichtig ist das Verhalten der Mächtedes dreifachen Einvernehmens, insbesondere Englands.
Halten wir uns an die Tatsachen!
Ich habe weiter oben darauf aufmerksam gemacht, daßSir Edward Grey während der ersten Monate des Balkan-kriegs sich Deutschland gegenüber in einer geradezu auf-fallenden Weise freundlich und zu einer Zusammenarbeitim Interesse der Aufrechterhaltung des Friedens bereitzeigte, daß ihn diese sichtliche Annäherung an Deutsch-land jedoch nicht hinderte, gerade damals mit dem fran-zösischen Botschafter in London den Briefwechsel auszu-tauschen, der später in der entscheidenden Stunde von SirEdward Grey selbst als moralische Verpflichtung zurWaffenhilfe an Frankreich anerkannt wurde. Jetzt, wäh-rend die mühevollen Verhandlungen über die vorder-asiatischen Fragen zum Abschluß gebracht wurden, tratnicht etwa eine Entspannung des gegen Deutschland ge-richteten Systems ein, vielmehr kam es auch jetzt — genauwie im November 1912 — zu einem strafferen Anziehen derFäden des um Deutschland geschlungenen Netzes.
Am 21. April 1914 besuchte König Georg den Präsi-denten Poincare' in Paris. Er war begleitet von demStaatssekretär des Auswärtigen Sir Edward Grey. DieseTatsache unterstrich die politische Bedeutung des Besuchs >
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