Wirkungen des Tripoliskrieges. Der Ballsanbund
Die beiden Balkankriege
Schon im Februar 1912 war zwischen Serbien undBulgarien unter nachdrücklicher Förderung Rußlands eingeheimer Vertrag zustandegekommen, der im Laufe dernächsten Monate inhaltlich erweitert und durch einen bul-garisch-griechischen Vertrag, durch Militärkonventionenzwischen diesen Staaten, sowie durch Abmachungen mitMontenegro ergänzt wurde. Diese Verträge, die den soge-nannten,,Balkanbund" schufen, richteten sich in erster Liniegegen die Türkei, deren albanische und mazedonische Pro-vinzen das Kriegsziel waren. Daneben aber enthielten diebulgarisch-serbischen Abmachungen die Verpflichtung zumgegenseitigen Beistand im Falle eines Angriffs Österreich-Ungarns; darüber hinaus verpflichtete sich Bulgarien zurWaffenhilfe für Serbien, falls dieses durch Österreich-Ungarnan einer Erweiterung seines Gebiets bis zum AdriatischenMeer durch Besetzung albanischer und mazedonischerLandesteile verhindert werden sollte. Der russische Zar warin den serbisch-bulgarischen Verträgen für den Fall vonMeinungsverschiedenheiten als Schiedsrichter ausersehen.
Im August 1912 begann Bulgarien, seine Forderungennach Reformen in Mazedonien bei der türkischen Regie-rung zu stellen. Ende September folgte ein einheitlichesVorgehen der sämtlichen Balkanmächte, und am 8. Oktobereröffnete Montenegro mit dem Einmarsch in türkischesGebiet die Feindseligkeiten.
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