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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Die Etappen zum Weltkrieg

bei Rußland abzunehmen, setzte seinen Standpunkt durch,und Deutschland und Österreich-Ungarn blieben Gewehr beiFuß. Die Wirkung war, wie Kiderlen mir erzählte, daß derrussische Botschafter in London, Graf Benckendorff, denrussischen Minister des Auswärtigen, Ssasonoff, kniefälligbat, im Interesse der Erhaltung der britisch-russischen En-tente die in Konstantinopel gestellten Forderungen zurück-zuziehen. Dies geschah, und Tscharikoff, der lediglich dieihm gegebenen Weisungen ausgeführt hatte, wurde geopfert.

So hat der Tripoliskrieg die Wirkung gehabt, einerseitsin einem wichtigen Punkte ein gegensätzliches Interessezwischen England und Rußland zutagetreten zu lassen,andrerseits die Freundschaft zwischen Italien und Frank-reich-England wenigstens vorübergehend zu trüben undItalien seinen Verbündeten wieder näherzubringen. DieErneuerung des Dreibundvertrags, die erst im Jahre 1914erforderlich gewesen wäre, wurde unter diesen Verhält-nissen schon im Frühjahr 1912 in Verhandlung genommenund im Dezember 1912 unterzeichnet. Es schien einenAugenblick, als ob die von König Eduard VII. eingeleiteteEinkreisungspolitik nach dem Tode dieses Monarchen(Mai 1910) nun doch allmählich ihre Kraft verlieren sollte

Aber das Unheil war im Rollen.

Noch ehe es, unter wirksamer Förderung seitens der deut-schen Regierung, zwischen Italien und der Türkei zumFrieden kam, zog sich auf dem Balkan ein neues Gewitterzusammen.

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