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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Etappen zum Weltkrieg

Annexion eine gegen die großserbischen Aspirationen ge-richtete Maßnahme. Die ganz offen zum Kriege treibendegroßserbische Partei fand Rückendeckimg bei Rußland,obwohl Iswolski, damals Minister der Auswärtigen An-gelegenheiten in Petersburg, wenige Wochen vor der Ver-kündigung der Annexion von Baron Aehrenthal, allerdingsohne Terminangabe, über die österreichische Absicht ver-ständigt worden war und keinen Widerspruch erhobenhatte. Bezeichnend war aber vor allem, daß fast noch mehrals Rußland die britische Regierung sich entrüsteteund Stellung gegen Österreich-Ungarn nahm. Die britischeRegierung, die wenige Jahre zuvor mit Frankreich über diemarokkanischen Angelegenheiten eine Abmachung ge-troffen hatte, die nicht nur eine formale sondern auch eineschwerwiegende materielle Verletzung der Madrider Kon-vention war, stellte sich jetzt gegenüber dem Vor-gehen Österreich-Ungarns, das allerdings einen formalenVerstoß gegen den Berliner Vertrag bedeutete, materiellaber keine Änderung in dem bisherigen Zustande schuf,mit aller Strenge auf den an sich zweifellos berechtigtenStandpunkt, daß internationale Verträge nur im Einver-ständnis der sämtlichen Unterzeichner abgeändert werdendürften. In Petersburg arbeitete die britische Diplomatie,vertreten durch den Botschafter Sir Arthur Nicolson, denVater der britisch-russischen Entente, mit allen Mittelnauf eine Verschärfung des österreichisch-russischen Kon-flikts. Obwohl keinerlei britische Interessen im Spiel

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