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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Die großserbische Bewegung

keinen zweiten Basler Frieden geben darf, und daß ichjedenfalls einen Basler Frieden nicht machen werde."Er setzte mir dann auseinander, daß Österreich-Ungarndie großserbische Bewegung als eine vitale Gefahr für dieMonarchie ansehe und wohl auch ansehen müsse; daßwir keine Möglichkeit hätten, Österreich-Ungarn bei seinenAbwehrmaßnahmen gegen diese Gefahr in den Arm zufallen, daß uns vielmehr die politische Gesamtkonstellationnötige, uns ohne Wanken und Schwanken hinter unserenBundesgenossen bei der Wahrung seiner Lebensinteressenzu stellen. Der Türkei gegenüber müsse sich unsere Hilfedarauf beschränken, daß wir ihr zu einem für Österreich-Ungarn annehmbaren Ausgleich verhülfen und ihr imübrigen auf andern Gebieten ihre schwierige Lage soweitwie möglich erleichterten.

Nach diesem Programm wurde gehandelt. Unter Mit-wirkung der deutschen Diplomatie kam im Februar 1909eine Verständigung zwischen Österreich-Ungarn und derTürkei zustande.

Aber die Einverleibung Bosniens und der Herzegowinain die österreichisch-ungarische Souveränität war nichtnur gegenüber der Türkei durchzukämpfen, sondern innoch viel stärkerem Maße gegenüber andern nicht un-mittelbar beteiligten Mächten. Vor allem kam es in Ser-bien geradezu zu einem Wutausbruch; man betrachtetedort Bosnien und die Herzegowina als großserbisches Ge-biet und sah in der von Österreich-Ungarn ausgesprochenen

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