Die Etappen zum Weltkrieg
ungarische Proklamation als einen Faustschlag ins Gesicht,und von Seiten der den Mittelmächten nicht wohlgesinntenMächte geschah natürlich alles, um öl ins Feuer zu gießen.
Deutschland als der Verbündete Österreich-Ungarnswurde für den der jungen Türkei zugefügten Affront mitver-antwortlich gemacht. Der deutsche Botschafter Freiherr vonMarschall, der von dem Schritt Aehrenthals genau so über-rascht wurde wie die Türken, sah die durch den innerenUmschwung ohnedies bedrohten Früchte seiner lang-jährigen und erfolgreichen Arbeit in der Türkei durchdas Vorgehen des Bundesgenossen, dessen Notwendigkeiter nicht anerkannte, ernstlich in Frage gestellt. Ich wardamals von der Deutschen Bank nach Konstantinopel,meinem im Juli, kurz vor Ausbruch der Revolution, ver-lassenen früheren Wirkungskreis, gesandt worden, um unterden schwierig gewordenen Verhältnissen die Interessendes in der Türkei investierten deutschen Kapitals und derdort arbeitenden deutschen Unternehmungen wahrzu-nehmen. Herr von Marschall machte mir aus seinem Un-mut und seiner abfälligen Beurteilung der AehrenthalschenPolitik kein Hehl und beauftragte mich, nach meinerRückkehr nach Berlin dem Fürsten Bülow seine Befürch-tungen eindringlich auseinanderzusetzen. Ich entledigtemich dieses Auftrages. Der Fürst hörte meine Dar-legungen aufmerksam an und antwortete mir dann:„Sagen Sie dem Baron Marschall, wenn Sie wieder nachKonstantinopel kommen, daß es in der deutschen Geschichte
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