Das österreichisch-ungarische Ultimatum
im Interesse der europäischen Solidarität erwünscht undgeboten sei.
In meinem Wirkungsbereich, in der Direktion der Deut-schen Bank, habe ich schon von den ersten Tagen des Julian aus meiner Auffassung der Lage die Folgerungen ge-zogen. Ich habe auf Zurückhaltung im Eingehen neuerVerpflichtungen und auf eine tunlichste Stärkung derflüssigen Mittel der Bank hingewirkt.
Am 23. Juli überreichte der österreichisch-ungarischeGesandte in Belgrad der serbischen Regierung die Forde-rungen seiner Regierung mit einer ausführlichen Begrün-dung. Zur Beantwortung wurde Serbien eine Frist vonachtundvierzig Stunden gelassen.
Das Ultimatum, in Form und Inhalt überraschendschroff, zerriß für die ganze Welt mit einem Schlag alleNebel, die bisher den Ernst der Lage noch verhüllt hatten.Jetzt war es für jedermann klar, daß Österreich-Ungarnfest entschlossen war, auf jede Eventualität hin Serbiengegenüber durchzugreifen, und daß der Friede Europasdavon abhänge, ob Rußland, das Serbiens Treiben bisherso offensichtlich ermutigt hatte, beiseitestehen werde odernicht. Mit einemmal stand Europa im Zeichen der un-mittelbaren Kriegsgefahr.
Es ist später die Frage aufgeworfen und lebhafterörtert worden, welche Rolle die deutsche Regierungund der Deutsche Kaiser bei jenen Vorgängen gespielthaben.
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